Fußballschuhe-Kaufberatung: So wählen Sie das richtige Produkt

  • Das Wichtigste in Kürze
  • Fußballschuhe sind für verschiedene Untergründe ausgelegt: Naturrasen, Kunstrasen, Ascheplätze und Hallen.
  • Die Modelle unterscheiden sich in ihrem Gewicht, Verschluss, Traktionssystem und Material.
  • Für ein perfektes Tragegefühl sollte die Passform eines Fußballschuhs möglichst eng und dennoch bequem sein.
  • Einsteiger sind mit „Allround“-Modellen am besten beraten. Erfahrene Spieler sollten dagegen Schuhe wählen, die speziell auf ihre Position optimiert ist.

Kick it like Beckham

Fußballschuhe gehören so sehr zum Spiel wie der Ball selbst. Hersteller entwickeln ihre Modelle nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten ständig weiter und statten sie mit den neuesten Technologien aus. Entsprechend breit ist das Angebot.

Da Fußballschuhe die Spieler bestmöglich unterstützen sollen, bieten sie folgende Vorteile im Vergleich zu sonstiger Fußbekleidung für den Sport:

  • bessere Traktion für wechselnde Untergründe
  • dünnes und speziell geformtes Obermaterial, um den Ball auf dem Fuß spüren zu können
  • flache Verschlusssysteme, durch die der Schuh eng am Fuß anliegt und den Ball beim Aufprall nicht ablenkt
  • speziell gedämpfte Mittelsohlen
  • äußerst robuste Konstruktion
  • höherer Schaft, um Verletzungen vorzubeugen (optional)

Die verschiedenen Typen

Im Großen und Ganzen gibt es drei Unterscheidungsmöglichkeiten für Fußballschuhe:

  1. Für welchen Untergrund ist das Schuhwerk geeignet?
  2. Welche besonderen Features zeichnen die Schuhe aus?
  3. Für welche Position sind die Schuhe gedacht?

Fußballschuhe für unterschiedliche Bodenbeläge

Die Unterscheidung nach dem Untergrund ist am weitesten verbreitet. Fast jeder Hersteller führt Modelle für trockene und nasse Naturrasenfelder, Kunstrasen- und Ascheplätze sowie für die Halle. Um den jeweiligen Typ kenntlich zu machen, befinden sich Abkürzungen in den offiziellen Produktnamen. Diese stehen für englische Begrifflichkeiten und beschreiben, wofür die Hersteller die jeweiligen Fabrikate optimiert haben:

Abkürzung Bedeutung Untergrund
AG Artificial Ground (künstlicher Untergrund) Kunstrasen
FG Firm Ground (fester Untergrund) trockener Naturrasen
TF Turf (Rasen) Teppichrasen
SG Soft Ground (weicher Untergrund) tiefer, rutschiger Boden (durch Regen, Hagel, Schnee)
HG Hard Ground (harter Untergrund) Ascheplatz
IC, IT, IN Indoor Court (Innenraum-Platz) Halle

Aufschlüsselung der Abkürzungen für die unterschiedlichen Bodenbeläge.

Die Vor- und Nachteile von Stollen gegenüber Nocken
Fußballer mit Ball im Stadion

Fußballschuhe für Freiluftplätze verfügen entweder über Stollen oder Nocken. Letztere werden in die Außensohle „gespritzt“. Das bedeutet, dass sie Teil der Sohle selbst sind. In der Regel bestehen sie aus einem harten Kunststoff oder Gummi. Stollen sind dagegen häufig aus Metall gefertigt und werden von außen an die Sohle montiert. Ein Schraubgewinde ermöglicht das Austauschen einzelner Stollen.

Ein weiterer Unterschied ergibt sich aus der Anzahl der Nocken beziehungsweise Stollen an einem Schuh. Während von letzteren oft nur vier bis fünf zu finden sind, ist die Zahl der Nocken nach oben offen. Teilweise sind sie so klein und zahlreich, dass sie beinahe wie eine weitere Sohle aussehen.

Stollen sind länger und krallen sich tiefer in den Boden. Deshalb bieten sie insbesondere auf nassen, tiefen Plätzen eine bessere Traktion. Andere Wetterbedingungen verlangen also nicht nach einem neuen Paar Schuhe. Schließlich sind Stollen robuster als Nocken. Manche Spieler empfinden Stollenschuhe jedoch als anstrengender als Nockenmodelle. Das gilt insbesondere für laufintensive Partien. Außerdem fühlen sich Offensivspieler mit Stollen im Vergleich zu Nocken häufig in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt.

Fußballschuhe mit besonderen Features

Die großen Hersteller arbeiten bei der Entwicklung gern mit bekannten Fußballern wie Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo zusammen. Deshalb tragen viele Modelle die Namen der Superstars in ihrer offiziellen Bezeichnung. Nicht selten entstehen aus dieser fruchtbaren Zusammenarbeit Besonderheiten wie die sogenannte 3D-Struktur. Dabei handelt es sich um eine körnige Oberfläche auf dem eigentlichen Obermaterial. Diese sorgt für einen Widerstand, wenn der Ball auftrifft. Spieler können ihn folglich besser spüren und technisch sauberer verarbeiten.

Fuß tritt gegen Ball

Ein weiteres Differenzierungsmerkmal für Fußballschuhe sind die sogenannten Touch- beziehungsweise Berührungszonen. Rund um den Fuß zeigt das Obermaterial eine wechselnde Struktur. Das hat folgenden Hintergrund: Wer mit dem Vollspann schießt, benötigt eine andere Berührungsfläche als ein Spieler, der einen sauberen Pass spielen möchte. Je nach Hersteller existieren Typen mit fünf bis sieben Berührungszonen.

Fußballschuhe für unterschiedliche Positionen

Bei den meisten Fußballschuhen handelt es sich um Allrounder. Das bedeutet, dass sie für jede Position geeignet sind. Es gibt allerdings auch Varianten, die für die spezifische Positionen in der Mannschaft gedacht sind. Die meisten Hersteller bieten zumindest gesondert Typen für die Offensive und die Defensive an:

  • Fußballschuhe für die Defensive: Defensivspieler sollten auf eine ausgezeichnete Traktion achten. Entsprechend haben diese Modelle Stollen und sind aufgrund ihrer äußerst robusten Bauweise etwas schwerer. In der Regel besitzen sie keine Touch-Zonen, sondern eine glatte Oberfläche. Einzig Varianten für den Profibereich bieten auch Berührungszonen.
  • Fußballschuhe für die Offensive: Offensivspieler benötigen ein gutes Ballgefühl. Obgleich es Offensivspieler gibt, die Stollen bevorzugen, haben diese Schuhe meist Nocken. Sie sind mit Berührungszonen ausgestattet. Zudem ist die Schnürung oft sehr flach oder komplett abgedeckt.

Darauf kommt es beim Kauf an

Am Markt herrscht nicht gerade ein Mangel an Fußballschuhen. Gerade Anfänger fühlen sich von der Angebots- und Preisvielfalt schnell überfordert. Deshalb erläutern wir nachlaufend die wichtigsten Kriterien für den Kauf im Detail.

Bei der Auswahl eines Fußballschuhs stellt sich zuerst die Frage, wie oft und wo dieser in Benutzung sein wird. Je häufiger ein Modell zum Einsatz kommt, desto weniger Kompromisse sollten Spieler eingehen. Beim Tragekomfort, der Traktion und dem Ballgefühl sollten sie keine Abstriche machen.

Die Preisfrage: Wie viel kostet Qualität?

Die Frage der Kosten dürfte für die meisten Käufer eine wichtige Rolle spielen. Schließlich hat Qualität meist ihren Preis. Konkrete Preise lassen sich jedoch aus zwei Gründen nicht nennen: Erstens ändern sich jene laufend. Zweitens bieten die einzelnen Hersteller ihre Angebote zu teilweise sehr unterschiedlichen Preisen an. Als Faustregel lassen sich allerdings folgende Preisspannen nennen:

  • 50 bis 100 Euro: … kosten solide Fußballschuhe für Hobbyspieler im Freiluftbereich. Sie sind für ein ernsthaftes Agieren im Verein ungeeignet. Hallenschuhe bieten in diesem Preisbereich bereits erstklassige Qualität.
  • 100 bis 200 Euro: … kosten Fußballschuhe, die sich für den Einsatz im Vereinsfußball eignen. Die meisten Modelle sind vor allem auf eine lange Lebensdauer ausgerichtet.
  • Mehr als 200 Euro: … kosten die besten Modelle auf dem Markt.

Die richtige Wahl für Einsteiger, Fortgeschrittene und Profis

Einsteiger sollten sich für Allround-Fußballschuhe entscheiden. Für gewöhnlich wissen sie noch nicht, auf welcher Position sie heimisch sind und wo genau ihre Stärken liegen. Es ist deshalb wenig sinnvoll, direkt positionsbezogen zu suchen. In der Regel benötigen Einsteiger zwei Paar Fußballschuhe: eines für den Freiluftbereich und eines für die Halle. Hobbyspieler sollten zu Modellen aus dem unteren Preissegment greifen.

Fußballspieler spielt Indoor

Fortgeschrittene Spieler, die auf Vereinsebene aktiv sind, sollten vor allem auf die Lebensdauer ihrer Schuhe achten. Schraubstollen sind zudem sinnvoll, um ohne ein zusätzliches Paar auf wechselnde Untergründe reagieren zu können. Es ist nicht ratsam, Schuhe speziell nach der eigenen Position zu wählen. Offensive Akteure sollten allerdings auf Features wie 3D-Oberflächen achten. Diese sind häufig bereits im mittleren Preisbereich zu finden.

Profis, die in höheren Spielklassen (etwa in der Bezirk- oder Oberliga) aktiv sind, sollten sich für positionsbezogene Modelle entscheiden. In diesen Ligen können einzelne Prozent den Unterschied zwischen Sieg- und Niederlage machen. Gerade Offensivspieler benötigen Modelle, die sie technisch bestmöglich unterstützen.

Die Materialunterschiede: Synthetik versus Leder

Außen- und Mittelsohle eines Fußballschuhs bestehen aus Kunststoffen, Metall und einer Schaumpolsterung. Nennenswerte Materialunterschiede gibt es eher beim Obermaterial. Dieses besteht entweder aus Synthetik-Stoffen oder aus Leder. Im zweiten Fall ist zwischen Kalbs-, Taurus- und Känguruleder zu unterscheiden. Letzteres ist besonders dünn, weich und anschmiegsam, aber auch am teuersten.

Vor einigen Jahren war Leder Synthetik noch deutlich überlegen. Durch intensive Forschungen hat sich dies jedoch geändert. Gerade für Hobbyspieler sowie in den unteren Ligen bieten Synthetik-Schuhe deshalb das bessere Preis-Leistungsverhältnis. Im Spitzenbereich ist Leder allerdings nach wie vor überlegen.

Die Vor- und Nachteile von Synthetik gegenüber Leder:

Vorteile Nachteile
Leichter Günstiger Weniger flexibel
Einfacher zu pflegen Geringerer Tragekomfort
Tierfrei

Das Gewicht: Leicht ist nicht immer besser

Gemeinhin sollten Fußballschuhe so leicht wie möglich sein. Das liegt aufgrund der Laufintensität des Spiels auf der Hand. Im Nicht-Profi-Bereich ist leicht jedoch nicht immer besser. Die Schuhe, die beispielsweise in der Bundesliga zum Einsatz kommen, wiegen durchschnittlich 150 Gramm pro Stück. Im Amateurbereich sind hingegen Gewichte von 200 bis 300 Gramm verbreitet. Das zusätzliche Gewicht dient vor allem dazu, die Lebensdauer der Schuhe zu erhöhen. Profis können es sich leisten, hohe Preise zu zahlen und trotzdem mehrere Paare pro Saison zu verschleißen. In den unteren Klassen und erst recht im Hobbyspielerbereich sollen die Schuhe hingegen einige Jahre halten. Einsteiger empfinden etwas schwerere Schuhe zudem oft als angenehmer, weil diese mehr Stabilität im Stand geben.

Gewichtsangaben in Unzen

Häufig, gerade bei Modellen aus angelsächsischen Ländern, ist das Gewicht eines Fußballschuhs in Unzen („oz.) und nicht in Gramm angegeben. Gemeint ist eine Standardunze beziehungsweise eine gewöhnliche Unze. Sie entspricht einem Gewicht von 28,35 Gramm.

Die Dämpfung: Den richtigen Kompromiss finden

Vor allem Anfänger, die zum ersten Mal Fußballschuhe auswählen, tappen bei der Dämpfung schnell in eine Falle. Diese soll möglichst stark sein, um eine Tragegefühl „wie auf Wolken“ zu bieten und Verletzungen vorzubeugen – so die Annahme. Für Laufschuhe ist das zwar korrekt, für den Fußball ist bei der Dämpfung hingegen ein Kompromiss einzugehen: Der Schuh sollte so am Fuß liegen, dass sich dieser nicht im Inneren bewegt. Vielmehr muss das jeweilige Modell sämtliche Bewegungen wie eine natürliche Verlängerung des Körpers mitvollziehen.

Starke Dämpfungen federn, das heißt, der Fuß hebt und senkt sich im Schuh. Diese zusätzliche Bewegung ist nur schwer auszurechnen. Der Druckpunkt des Fußes im Schuh auf den Ball liegt so an einer unerwarteten Stelle. Zu starke Dämpfungen gehen folglich zu Lasten der Technik. Einige Hersteller haben deshalb eine neuartige Lösung entwickelt: Die Feder-Energie wird gespeichert und auf die Außensohle umgelenkt. Bei einem dynamischen Sprint entsteht auf diese Weise ein zusätzlicher Boost. Dieses System ist allerdings nur in Schuhen im obersten Preisbereich zu finden. Ansonsten gilt: Spieler müssen den passenden Kompromiss aus Komfort und einem natürlichen Bewegungsablauf finden.

Die Schafthöhe: Sicherheit versus Komfort

Fußballtraining in Halle

Einige Fußballschuhe verfügen über einen erhöhten Schaft, der den Knöchel umschließt. Dieser sorgt für mehr Sicherheit, da er auch die Bereiche des Fußes schützt, die ein Schienbeinschoner nicht erreicht. Grundsätzlich ist ein höherer Schaft deshalb empfehlenswert. Manche Spieler fühlen sich allerdings beeinträchtigt, gerade beim Dribbling, Antäuschen oder bei der Schusshaltung. Andere Nutzer haben keine Probleme. Es ist also eine Gefühlssache, die jeder Spieler für sich selbst klären muss.

Die Passform: Fußballschuhe als zweite Haut?

Damit ein Fuß keine Eigenbewegung im Schuh hat, muss dessen Obermaterial so eng wie möglich sitzen. Allerdings darf es nicht drücken oder gar Schmerzen bereiten. Der Fußballschuh sollte zu einer zweiten Haut werden. Die meisten Amateure müssen hierfür jedoch einen Kompromiss eingehen: Fußballschuhe, die tatsächlich ein barfußähnliches Tragegefühl bieten, bewegen sich ausnahmslos im oberen Preisbereich. Gerade günstigere Modelle aus Synthetik sind beispielsweise nicht ausreichend flexibel.

Helfen Innensocken?

Einige Hersteller haben eine Innensocke beziehungsweise einen Innenstrumpf aus einem Textilstoff in den Schuh eingenäht. Diese Socke soll verhindern, dass sich der Fuß zu stark im Schuh bewegt und zugleich den Tragekomfort durch eine zusätzliche Polsterung erhöhen. Viele Träger bescheinigen, dass es durchaus gelingt, merken aber auch an, dass das für ein zweites Paar Strümpfe ebenfalls gilt.

Der Verschluss: Die Art der Schnürung

Das Verschlusssystem hat zwei Aufgaben: Erstens soll es dem Träger die Möglichkeit geben, den Sitz des Schuhs nach eigenen Wünschen einzustellen. Zweitens darf es dabei aber nicht das Ballgefühl beeinträchtigen. Klettverschlüsse sind deshalb beispielsweise nur Zaungast in der Welt der Fußballschuhe. Stattdessen wird mit Schnürungen gearbeitet. Diese zeichnen sich durch folgende Qualitäten aus:

  • Die Schnürung sollte möglichst flach sein, um den Aufprall des Balls nicht zu stören.
  • Die Schleife sollte sich verstecken lassen. Hierfür dient etwa die Zunge.
  • Teilweise wird die Schnürung komplett durch einen sogenannten „Schild“ überdeckt. Faktisch handelt es sich um eine übergroße Zunge, die bis zum Spann reicht.

Erste Modelle, die ganz ohne Verschlusssystem auskommen, sind bereits auf dem Markt. Allerdings verlieren Spieler dadurch die Möglichkeit, den Sitz nach eigenen Wünsch einzustellen.

So bleiben die Fußballschuhe sauber

Fußballschuhe aus einem synthetischen Material sind ausgesprochen einfach in der Pflege: Kaltes Wasser, eine Bürste und ein Lappen genügen. Nur ein Punkt ist zu beachten: Trocknen Sie die Schuhe niemals auf der Heizung, damit das Material nicht porös und steif wird. In den Trockner dürfen sie deshalb ebenfalls nicht. Stattdessen sollte die Umgebungstemperatur beziehungsweise die Sonne die Schuhe trocknen.

Anders sieht es bei Lederschuhen aus: Wasser ist kein Freund von Leder, da sich das Material schnell mit dem Nass vollsaugt. Spieler sollten die Schuhe für die Pflege deshalb zuerst mit einer alten Zeitung ausstopfen und dann mit nur wenig warmem Wasser arbeiten. Eine weiche Bürste ist ebenfalls empfehlenswert. Abschließend findet die Endreinigung mit Schuhcreme statt.

Weiterführende Testberichte

Achtung: Hierbei handelt es sich um einen Vergleich von Fußballschuhen. Wir haben die vorgestellten Produkte keinem Test unterzogen.

Die Tester der Stiftung Warentest und anderer Organisatoren stellten fest, dass bei Fußballschuhen Komfort nicht unbedingt teuer sein muss. Bequeme Modelle seien auch schon zu Preisen unter 100 Euro zu finden, so die Tests. Hierfür sind der Deichmann Victory ein ausgezeichnetes Beispiel. Anders sieht es beim Ballgefühl aus: Wer hier beste Qualität sucht, muss laut Test um die 200 Euro einplanen. Die Stiftung Warentest hebt hierfür die Adidas Predator-Reihe hervor. Zudem ist den Testern zufolge Känguru-Leder nicht mehr konkurrenzlos. Statt der Art des Materials zählt dessen Qualität.