Akupressurmatte-Kaufberatung: So wählen Sie das richtige Produkt

  • Das Wichtigste in Kürze
  • Akupressurmatten lindern Beschwerden mit Hilfe von Druck. Zu diesem Zweck ist ihre Oberfläche mit mehreren tausend Spitzen ausgestattet.
  • Akupressur hat seinen Ursprung in der traditionellen chinesischen Medizin. Die modernen Matten verbinden die chinesische Methode mit den indischen Nagelbrettern.
  • Für schmerzempfindliche Anwender empfiehlt sich ein Matte mit möglichst vielen Spitzen. Je weniger Spitzen, desto intensiver der Druck auf den Körper.
  • Die Matten eignen sich für die Anwendung auf dem gesamten Oberkörper, dem Nacken, sowie den Armen, Füßen und Beinen.
  • Die Stimulierung der Körperpartien setzt Hormone frei, die sich positiv auf die psychische Verfassung auswirken.

Zur Unterstützung der körpereigenen Heilkräfte

Krämpfe, Verspannungen und Schmerzen begleiten heutzutage viele Menschen im Alltag. Büroarbeiter und Menschen mit körperlich anstrengenden Berufen sind gleichermaßen betroffen, auch wenn sich die Beschwerden im Detail unterscheiden.

Eine Methode, um die Beschwerden zu lindern und eine heilende Wirkung zu erzielen, ist die Ausübung von Druck auf spezifische Stellen am Körper. Betroffene können zwischen verschiedenen Arten der Massage aus unterschiedlichen Kulturkreisen wählen. Einige Massagetechniken sind tausende von Jahren alt und in ein ganzheitliches gesundheitliches System eingebunden. Dazu gehört auch die Akupressur, die ihren Ursprung in der der traditionellen chinesische Medizin (TCM) hat. Diese baut auf einer jahrtausendealten chinesischen Naturphilosophie auf.

Von einer Naturphilosophie zu einem ganzheitlichen Gesundheitsansatz

Die Basis der traditionellen chinesischen Naturbeschreibung ist das Qi, eine Energie, die im ganzen Kosmos fließt und die Grundlage allen Lebens ist. Im menschlichen Körper sorgt sie dafür, dass alle Organe und Prozesse ihre Funktion erfüllen. Dazu gehören auch das Immunsystem sowie das Bewusstsein. Das Qi strömt in Kanälen, auch Meridiane genannt, durch den gesamten Körper und sammelt sich in den Organen. Es gibt zwölf Hauptkanäle, die je einem Funktionskreis – etwa Niere, Leber oder Herz – zugeordnet sind. Auf diesen befinden sich insgesamt mehrere hundert Meridianpunkte.

Dem altchinesischem Verständnis zufolge ist ein gestörtes Qi die Ursache der meisten Erkrankungen und Beschwerden. Diese treten auf, wenn sich der Fluss innerhalb der Meridiane verlangsamt oder stagniert, sowie bei einem Überfluss oder Mangel an Lebensenergie an spezifischen Stellen im  Körper.

Die traditionelle chinesische Medizin, kurz TCM, ist ein ganzheitliches System zur Diagnose und Heilung von Krankheiten sowie Beschwerden, das auf der Lehre des Taoismus aufbaut. Dabei erkennt die TCM etwa 50 verschiedene Störungsmuster dich sich mit fünf Arten der Behandlung beheben lassen. Die Akupressur sowie Akupunktur sind nur eine Säule. Weitere Aspekte sind die Arzneimitteltherapie, bestehend aus komplexen Zusammenstellungen von Heilpflanzen, die Bewegungslehren Qigong und Taiji, eine weitere Massagetechnik namens Tuina sowie eine umfassende Ernährungslehre.

Bestandteile der traditionellen chinesischen Medizin (TCM)

Die Aufgabe der traditionellen chinesischen Medizin ist es demnach, die Gründe für die Störung zu finden und zu beheben, sodass die Lebensenergie wieder harmonisch fließt. Zu den Therapiemethoden gehört die Akupressur, bei der TCM-Praktiker mit ihren Hände Druck auf die Meridianpunkte ausüben, die der Störung zugeordnet sind.

Um die Beschwerden ohne einen regelmäßigen Gang zum Heilpraktiker zu lindern, entstand in Schweden zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine Alternative für die eigenen vier Wände: die Akupressurmatte.

Was sind Akupressurmatten?

Bei Akupressurmatten handelt es sich um Matten, die mit Tausenden von Kunststoffspitzen bestückt sind. Die Spitzen verteilen sich auf mehrere kreisförmige, dicht beieinanderliegende Zonen. Auf den Matten finden Rücken, Po und bei übergroßen Ausführungen der obere Teil des Oberschenkels Platz Die Kunststoffspitzen erzeugen Druck auf die jeweiligen Körperpartien. Da sich das gesamte Körpergewicht gleichmäßig auf der Matte verteilt, ist der Druck der einzelnen Spitzen nicht stark genug, um die Haut zu verletzen.

Während die ursprüngliche Lehre der Akupressur aus der TCM stammt, basiert das Konzept von Akupressurmatten auf den indischen Nadelbrettern, die vor allem durch Fakire bekannt sind. Die Anordnung der Nadeln ist davon abhängig, ob der Hersteller sich nach der traditionellen chinesischen Medizin, der später entstandenen indischen Ayurveda-Lehre oder der westlichen Medizin richtet.

Weitere Bezeichnungen sind beispielsweise Fakirmatte, Yantramatte, Shaktimatte oder Nadelmatte. Teils sind die Namen auf einzelne Produkte zurückzuführen: Die ShaktiMat gilt etwa als eine der ersten modernen Akupressurmatten ihrer Art.

Die Wirkung von Akupressurmatten

Junge Frau liegt auf Akupressurmatte

Akupressurmatten erzielen ihre Wirkung durch den Druck, die Kunststoffspitzen auf die Körperpunkte ausüben. Das erzeugt einen Massageeffekt und regt zunächst die Durchblutung an. Der Anwender spürt ein Kribbeln und eine wohlige Wärme auf der Haut. Zudem entspannt sich die Muskulatur, wodurch sich Schmerzen und Krämpfe, etwa Rücken- und Gelenkbeschwerden, verringern.

Die vollständige Entspannung fördert die Produktion von Glückshormonen und stressregulierenden Hormonen, was eine positive Wirkung auf die Psyche hat. Demnach können Akupressurmatten beispielsweise bei Stress, Schlafstörungen, Depressionen sowie Angstzuständen helfen. Die stärkere Durchblutung führt zudem zu einem erhöhten Transport von Sauerstoff und Nährstoffen, was zur Regeneration der Körperzellen beiträgt.

Für wen sich Akupressurmatten eignen

Akupressurmatten eignen sich vor allem für diejenigen, die unter Verspannungen leiden. Besonders betroffen sind dabei alle, die vorwiegend am Computer arbeiten, sowie Berufstätige, die eine körperlich anstrengende Tätigkeit ausüben. Auch Kinder ab etwa acht Jahren können die Matten prinzipiell anwenden. Allerdings ist ihre Haut empfindlicher, sodass es ratsam ist, ein dünnes Tuch über die Matte zu legen und das Kind nicht mit freiem Rücken auf der Akupressurmatte liegen zu lassen.

Für Schwangere sind Akupressurmatten nicht empfehlenswert: Im letzten Drittel der Schwangerschaft sowie bei risikoreichen Verläufen stimulieren die Druckpunkte mitunter die Wehen. Bei offenen Wunden oder bei entzündlichen Hauterkrankungen wie Neurodermitis ist eine Akupressurmatte ebenfalls nicht von Vorteil, da das Produkt die empfindliche Haut reizt.

Bei langwierigen starken Schmerzen ist eine Akupressurmatte nicht zwangsläufig die beste Wahl. Vermuten Sie, dass die Schmerzen Ursache einer ernsteren Erkrankung sein können, ist ein Besuch beim Arzt ratsam. Im Rahmen der Untersuchung lässt sich ermitteln inwiefern eine Akupressurmatte als ergänzende Maßnahme einsetzbar ist.

Wovon die Wahl der Akupressurmatte abhängt

Auf den ersten Blick unterscheiden sich Akupressurmatten im Aufbau und in der Wirkung kaum voneinander: Mit preiswerten Modellen unter 30 Euro lassen sich ebenso gute Ergebnisse erzielen wie mit einem teureren Modell. Die hauptsächlichen Unterschiede liegen in der Größe der Matte, der Anzahl der Nadeln sowie der Art, Herkunft und Verarbeitung der Materialien.

Größe und Form der Matte

Bei Akupressurmatten stehen meist nur wenige Größen zur Auswahl: eine Standardgröße und eine Übergröße. Die durchschnittliche Matte ist etwa zwischen 65 und 70 Zentimeter lang sowie zwischen 38 und 42 Zentimeter breit. Die XL-Variante ist etwa 130 Zentimeter lang. Damit eignet sie sich auch für große Anwender sowie für alle, die mehrere Körperpartien wie Rücken, Po und Oberschenkel therapieren möchten.

Anzahl der Nadeln

Die Anzahl der Nadeln, die sich auf der Akupressurmatte befinden, bestimmen, wie intensiv sich die Massage anfühlt. Je mehr Nadeln auf der Matte platziert sind, desto gleichmäßiger verteilt sich der Druck auf der Haut. Weniger Nadeln bedeutet, dass der Anwender diese an den betroffenen Stellen stärker spüren.

Nahaufnahme von Mattennadeln

In der Regel sind zwischen 6.000 und 6.500 Nadeln ein angemessener Durchschnittswert. Schmerzempfindliche Menschen sind mit einer Nadelzahl von mindestens 8.000 besser beraten, einige Modelle besitzen sogar mehr als 10.000. Fortgeschrittene Anwender finden auch Varianten mit 4.000 bis 4.500 Spitzen, die besonders intensiven Druck ausüben. Für Einsteiger ist die Wirkung hingegen zu intensiv.

Materialien

Akupressurmatten verfügen über einen Bezug aus natürlichen Stoffen wie Baumwolle oder Baumwollmischungen, auf dem die Spitzen aus Plastik eingearbeitet sind. Das Innenleben besteht entweder aus Schaumstoff oder aus pflanzlichen Rohstoffen wie Kokosfasern. Ein kleiner Anteil an Matten ist aus Gummi gefertigt. Für die Spitzen nutzen Hersteller oft ABS-Kunststoff, was besonders belastbar ist.

Alle Materialien müssen gesundheitlich unbedenklich sein. Das lässt sich etwa anhand der Kennzeichnung „Standard 100 by Oeko-Tex“ erkennen. Sie bezeugt, dass gesundheitsproblematische noch allergisierende Substanzen vorhanden sind. Das europäische Siegel, das auf dem OekoTex-Standard aufbaut, nennt sich „Textiles Vertrauen“.

Einige Hersteller achten besonders auf eine nachhaltige Produktion und biologische Rohstoffe. Es kommen etwa Bio-Baumwolle, Naturfasern oder recyclebare Kunststoffe zum Einsatz.

Reinigung

Da der Anwender zumeist mit der nackten Haut auf der Akupressurmatte liegt, ist eine regelmäßige Reinigung unabdingbar. Die Füllung sollte sich einfach aus dem Bezug entnehmen lassen. Der meistens aus Baumwolle bestehende Bezug ist in der Regel per Hand zu Waschen, um die Kunststoffnadeln zu schonen. Sollte das Modell doch für die Waschmaschine geeignet sein, ist ein Schonvorgang vorzuziehen. In der mitgelieferten Anleitung finden sich alle nötigen Informationen. Gummimatten lassen sich problemlos abspülen.

Lieferumfang

Akupressurmatte mit Kissen in Blau

Bei vielen Akkupressurmatten wird zusätzlich ein Kissen mitgeliefert, oft auch eine Tragetasche. Ein Akupressurkissen eignet sich besonders gut zur Behandlung von Kopf- und Nackenschmerzen. Falls ein solches Kissen jedoch nicht im Lieferumfang erhalten ist, lässt sich auch die reguläre Matte verwenden. Mit einer Tragetasche lässt sich die Akupressurmatte zwischen Anwendungen problemlos verstauen. Zudem ist sie praktisch, wenn Sie die Matte beispielsweise auf Reisen mitnehmen möchten.

Die Anwendungsmöglichkeiten: Bereiche und Umsetzung

Mit einer Akupressurmatte lassen sich Beschwerden in mehreren Körperbereichen behandeln. Sie hilft nicht nur gegen Rückenschmerzen, sondern auch gegen Probleme mit dem Nacken, den Schultern, den Beinen, den Füßen, den Armen sowie dem Oberkörper.

Rücken

Der Kauf einer Akupressurmatte erfolgt häufig zur Linderung von Rückenschmerzen. Eine Liegezeit von mindestens 20 Minuten sorgt für Erleichterung im gesamten Rücken: Die Matte entspannt die Muskeln und entlastet die Wirbelsäule sowie potenziell eingeklemmte Nerven. Zudem verspricht das Liegen einen Abbau von Stress sowie einen besseren Schlaf.

Da der Druck, den die Nadeln ausüben, zunächst ungewohnt ist, kann der Erstanwender möglicherweise keine 20 Minuten auf der Matte liegen. Es empfiehlt sich, in dem Fall mit fünf Minuten anzufangen und die Zeit täglich etwas zu erhöhen. Wenn Sie zudem ein dünnes Oberteil tragen und die Matte auf einen weichen Untergrund wie das Bett legen, verringert sich der Druck auf der Haut. Nach einer Eingewöhnungsphase ist die Anwendung mit nacktem Rücken und auf festem Boden wohltuend.

Um sich vollständig entspannen zu können, hilft es, die Akupressurmatte an einem Ort anzuwenden, an dem Sie sich wohl fühlen und nicht gestört werden. Empfehlenswert ist es auch, angenehme Musik zu hören. Alternativ lauschen einige Anwender einem Podcast oder schauen Fernsehen. Als Einsteiger ist es besonders ratsam, einen Timer oder Wecker mit der gewünschten Anwendungsdauer zu stellen.

Das ideale Umfeld schaffen

Nacken und Schultern

Die Anwendung auf Nacken und Schultern lindert zunächst Verspannungen in den Körperpartien und setzt das Wohlfühlhormon Endorphin frei. Dieses Hormon, die bessere Durchblutung sowie die Muskelentspannung wirken sich zudem positiv auf Kopfschmerzen und Migräne aus.

Zur Behandlung eignen sich sowohl die Matte als auch ein Nadelkissen. Die Matte ist dabei aufzurollen oder auf einem zusammengerollten Handtuch zu platzieren. Anwender liegen so, dass sich nur Nacken und Schulter auf der Rolle befinden. Es empfiehlt sich, mindestens zehn, besser 20 Minuten auf den Nadeln zu liegen.

Füße

Füße einer Frau, die auf einer Akupressurmatte steht

Eine weitere Möglichkeit ist eine sogenannte Reflexzonenmassage der Füße. Diese Massage basiert auf der Annahme, dass alle Körperbereiche per Reflexbahnen mit den Fußsohlen verbunden sind. Sich für mindestens fünf Minuten auf die Akupressurmatte zu stellen, stimuliert das Nervensystem und gibt Energie für den Tag. Die abendliche Nutzung fördert die Regeneration nach einem anstrengenden Arbeitstag, lindert Krämpfe und entspannt Füße und Beine.

Hände und Arme

 Nach langen Arbeitstagen am Laptop oder PC fühlen sich Hände sowie Unterarme häufig taub und schwer an. Mit mindestens fünfzehn Minuten auf der Matte gewinnen sie wieder an Leichtigkeit. Zudem beugen die Sitzungen auf Dauer weiterer Taubheit vor. Für den Anfang genügt es, mit den Händen einzusteigen und sich zu den Unterarmen vorzutasten.

Bauch und Brust

Wer an Verdauungsbeschwerden, Beklemmungen im Brustbereich oder Menstruationsbeschwerden leidet, kann sich mit dem Bauch und der Brust auf die Akupressurmatte legen. Diese Position kann auch Panikgefühlen vorbeugen. Allerdings sind diese Körperbereiche sehr sensibel, sodass ein vorsichtiges Herantasten nötig ist. Legen Sie hierfür ein dünnes Tuch auf die Matte oder tragen Sie ein Oberteil. Nach der Eingewöhnung ist eine Anwendung von zehn Minuten oder mehr ratsam.

Weiterführende Testberichte

Achtung: Hierbei handelt es sich um einen Vergleich. Wir haben die Akupressurmatten nicht selbst getestet.

Bislang haben weder die Stiftung Warentest noch andere große Testportale mehrere Akupressurmatten getestet und miteinander verglichen. Stattdessen finden sich diverse Erfahrungsberichte von Privatpersonen und Redakteuren kleinerer Magazine online. Allerdings erfolgen die Tests nicht auf Basis strikter und vergleichbarer Kriterien, sondern nach persönlichem Empfinden – inwiefern die Matte nutzbar ist und ob sich Beschwerden verringern.

Zwei Redakteure des Liebenswert-Magazins testeten zum Beispiel je eine Akupressurmatte: das Akupressur-Set von KayaZen sowie die Matte von Belmalia ohne Zubehör. Beide Tester bekräftigten eine Wirkung, benötigten aber eine gewisse Zeit zum Eingewöhnen.

Auch eine Redakteurin vonfit for funhat eine Akupressurmatte getestet, das Produkt mit dem Namen Yantramatte. Nach zwei Tagen der Eingewöhnung war die Testperson zwar von der Wirkung überzeugt, nutzt die Matte aber ungern auf der nackten Haut, da sie schmerzempfindlich reagiert.

Auch YouTube ist eine geeignete Anlaufstelle für Erfahrungsberichte. Privatanwender sowie Influencer posten ihre Akupressurmatten-Tests auf dem eigenen Kanal. Zudem hat die KabelEins-Sendung „Abenteuer Leben am 22.Januar 2020 einen Bericht zur Akupressurmatte ShaktiMat ausgestrahlt, der sich auch online finden lässt. Dabei testeten eine Familie sowie ein älteres Ehepaar die Nadelmatteunabhängig voneinander und schilderten ihren Eindruck.

Anhand solcher Tests können Kaufinteressenten sich einen bildlichen Eindruck von Akupressurmatten sowie deren Anwendung verschaffen und dabei selbst ermitteln, ob das Produkt den eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen entspricht.

Tatjana Tomic

Tatjana Tomic

24.11.2020