Reboarder Kaufberatung: So wählen Sie das richtige Produkt

  • Das Wichtigste in Kürze
  • Reboarder sind Kindersitze, in denen Babys und Kleinkinder entgegen der Fahrtrichtung transportiert werden können.
  • Gemäß EU-Regularien ist es vorgeschrieben, ein Kind bis zu einem Alter von 15 Monaten oder einem Gewicht bis neun Kilogramm im Auto entgegen der Fahrtrichtung zu sichern.
  • Manche Modelle sind für verschiedene Alters- beziehungsweise Gewichtsklassen geeignet und können auch gedreht werden, damit das Kind in Fahrtrichtung blickt.
  • Reboarder werden häufig mit dem ISOFIX-System auf der Rückbank des Fahrzeugs installiert; eine Stütze im Fußraum gewährleistet zusätzliche Stabilität.
  • Ein eigenes Gurtsystem, eine weiche Polsterung und ein Seitenaufprallschutz sorgen für bestmögliche Sicherheit im Falle eines Unfalls.
Die besten Reboarder im Vergleich

Was ist ein Reboarder?

Reboarder sind Kindersitze für Kleinkinder, in denen diese mit dem Rücken zur Fahrtrichtung sitzen. Sie sind mit einer hohen Rückenlehne und schützenden Seitenelementen ausgestattet. Zudem verfügen sie über ein eigenes Gurtsystem, mit dem die Kinder optimal gesichert werden können. Zwar sind sie als Nachfolgemodell zur Babyschale gedacht, es gibt aber auch Reboarder, die bereits ab Geburt geeignet sind, sowie Modelle, die bis ins Grundschulalter genutzt werden können.

Theoretisch sind Babyschalen nichts anderes als Reboarder, denn der Begriff bedeutet übersetzt lediglich, dass man sie entgegen der Fahrtrichtung einsetzt. Babys können Sie also auch in Reboardern transportieren, dann müssen sie jedoch dafür deklariert sein und über eine Liegeposition sowie im Idealfall eine Kisseneinlage für Säuglinge verfügen. Einige Modelle lassen sich sowohl in als auch gegen die Fahrtrichtung einbauen. So haben Sie die Möglichkeit, Ihre Kinder im fortgeschrittenen Alter weiterhin im Sitz zu platzieren – allerdings nach vorn schauend.

Reboarder werden entgegen der Fahrtrichtung eingebaut.

Warum sollte man einen Reboarder nutzen?

Nach EU-Richtlinien ist es vorgeschrieben, Kinder bis zu einem Alter von 15 Monaten beziehungsweise einem Gewicht von neun Kilogramm im Auto entgegen der Fahrtrichtung zu transportieren. Der ADAC empfiehlt das sogar bis zu einem Alter von zwei Jahren, da bei einem Unfall starke Kräfte auf die AutoinsassInnen wirken. Die häufigsten Kollisionen sind frontale Auffahrunfälle; das Kind würde in einem solchen Fall in die Sitzlehne gedrückt, was für das Genick und die Nackenmuskulatur weniger belastend ist, als wenn der Kopf nach vorn geschleudert würde.

Besonders in den ersten Monaten brauchen Kinder zusätzlichen Schutz in kritischen Situationen. Der Kopf ist im Vergleich zum Körper sehr viel größer als bei Erwachsenen und macht ein Viertel des Körpergewichts aus. Dazu sind die Muskeln im Körper noch nicht gut ausgebildet. Schleudert der Kopf bei einem Unfall also unkontrolliert umher, können die Nackenmuskulatur und die Wirbelsäule diese wirkenden Kräfte eventuell nicht richtig abfangen. Außerdem haben Kinder in den frühen Lebensmonaten nur geringe motorische Fähigkeiten, weshalb sie ihre Arme und Beine häufig nicht kontrolliert bewegen beziehungsweise keine bewusste Anspannung erzeugen können, um Kräften entgegenzuwirken.

Wie wird ein Reboarder eingebaut?

Befestigt werden die Sitze meistens mit dem sogenannten ISOFIX-System. Seit November 2014 ist es in allen Neuwagen serienmäßig verbaut. Über eine Verbindung, die sich auf der Rückbank zwischen Sitzfläche und Rückenlehne befindet, kann der Sitz mit dem entsprechenden Gegenstück installiert werden. Dieses System ist genormt, sodass alle Sitzmodelle mit einem solchen System in möglichst vielen Autos eingebaut werden können. Wenn es keine Möglichkeit gibt, den Sitz mit der ISOFIX-Verbindung zu befestigen, müssen Sie ihn mit dem Drei-Punkt-Gurt des Fahrzeugs sichern.

Augenmerk auf sicheren Einbau

Achten Sie immer darauf, dass der Reboarder korrekt installiert wird. Im Gegensatz zu einer Babyschale, die getragen und teilweise mit dem Kinderwagen verbunden werden kann, ist der Reboarder nicht dazu gedacht, häufig ein- und ausgebaut zu werden. Der Sitz muss einen sicheren Halt haben und darf andere MitfahrerInnen, beispielsweise durch einen zu weit nach vorn geschobenen Beifahrersitz, nicht behindern.

Stützen und Halterungen

Da der Schwerpunkt eines Reboarders über dem Fußraum liegt, werden die Sitze mit einem mitgelieferten Standfuß gesichert. Dieser steht im Fußraum des Fahrzeugs, sodass der Kindersitz nicht kippen kann. Sollte sich dort ein Staufach befinden, müssen Sie dieses füllen – zu diesem Zweck gibt es vom Hersteller passendes Füllmaterial. Andernfalls kann es sein, dass der Stützfuß keinen sicheren Stand hat. Manche Reboarder – wie auch andere Kindersitze – können zusätzlich mit dem sogenannten Top Tether gesichert werden. Dieser Gurt wird mit einem Haken an der Hinterseite der Rückbanklehne im Auto befestigt.

Vorn nur im Ausnahmefall

Generell ist der Rücksitz für ein Kind der sicherste Ort im Auto, ganz gleich für welches Alter oder welche Art von Kindersitz. Theoretisch dürfen Sie einen Reboarder auch auf dem Beifahrersitz installieren, müssen aber in dem Fall auf die Herstellerangaben sowohl des Sitzes als auch des Fahrzeugs achten. Wird davor gewarnt, den Sitz neben dem Fahrer beziehungsweise der Fahrerin zu platzieren, sollten Sie diese Warnung ernst nehmen. Eine Voraussetzung dafür, dass der Reboarder auf dem Beifahrersitz steht, ist, dass der Airbag auf dieser Seite nicht auslösen kann. Aktiviert er sich, kann das für ein Kind im Reboarder lebensgefährlich werden.

Prüfnormen und Sitzklassen

Es gibt drei Prüfsiegel, mit denen Reboarder und andere Arten von Kindersitzen versehen werden, um in Deutschland und der EU zugelassen zu werden. Diese tragen die Bezeichnung „UN ECE Reg. 44/03“ bzw. „44/04“ oder „UN ECE Reg. 129“; Letztere wird auch i-Size-Norm genannt.

Die Norm UN ECE Reg. 44/04 teilt Kindersitze in Klassen ein, aus denen erkenntlich wird, für welches Gewicht der Sitz geeignet ist. Für Reboarder sind die Klassen I und II relevant.

Klasse 0bis 10 kg
Klasse 0+bis 13 kg
Klasse I9 – 18 kg
Klasse II15 – 20 kg
Klasse III22 – 36 kg
Es handelt sich hier nicht um eine in Stein gemeißelte Regel, eine vernünftige Richtlinie ist diese Einteilung jedoch allemal.

Nach der i-Size-Norm geprüfte Sitze werden nicht nach Alter oder Gewicht, sondern nach der jeweiligen Größe des Kindes eingeteilt. Die Empfehlung spricht hierbei der Hersteller selbst aus. Anders als Sitze mit dem Siegel UN ECE Reg. 44 müssen sie auch einen Seitenaufpralltest bestehen und der Einbau geht stets mit dem ISOFIX-System vonstatten. Die EU-Kommission plant, ab September 2023 nur noch Kindersitze mit der i-Size-Norm zuzulassen. Die Vorschrift zum Platzieren entgegen der Fahrtrichtung gilt dann generell für Kinder bis zu einem Alter von 15 Monaten, unabhängig von Gewicht und Größe. Zusätzlich sollen i-Size-geprüfte Kindersitze eine maximale Breite von 44 Zentimetern aufweisen. So kann gewährleistet werden, dass auch in Kleinwagen bis zu drei Sitze auf der Rückbank nebeneinander passen.

Die Komponenten eines Reboarders

Reboarder unterscheiden sich je nach Hersteller und Ausführung in ihrer Erscheinung – einige wichtige Kriterien müssen Sie jedoch erfüllen, um für maximale Sicherheit zu sorgen.

Reboarder-Grafik
Bei einem guten Reboarder müssen Sie auf ein paar wichtige Komponenten achten.

Gurtsystem

In einem Reboarder wird das Kind mit dem modelleigenen Gurtsystem angeschnallt. Das ist entweder ein Drei-Punkt-Gurt – also ein Y-förmiger Gurt, der über den Schultern und zwischen den Beinen befestigt wird – oder ein Fünf-Punkt-Gurt, der zusätzlich einen Gurt um die Hüften hat. Die Gurte sind so verstellbar, dass sie dem Kind den sichersten Halt geben. Außerdem sollten sie gepolstert sein, damit sie nicht drücken oder einschneiden können.

Seitenaufprallschutz

Reboarder haben nicht nur eine hohe Lehne, sondern an den Seiten auch schützende und abschirmende Elemente. Diese sind weich und bequem gepolstert, sodass das Kind sich bei Bedarf seitlich anlehnen kann. Bei einem Unfall – besonders einem seitlichen Aufprall – werden Wucht und Erschütterung zum Teil vom Seitenaufprallschutz abgefangen. Dieser schützt Kopf und Körper des Kindes.

Positionseinstellung

Reboarder verfügen für gewöhnlich über die Möglichkeit, in verschiedenen Positionen eingestellt zu werden. Gerade für Säuglinge, die noch nicht selbstständig sitzen können, ist eine Liegeposition wichtig. Aber auch darüber hinaus können viele Modelle in zahlreichen Winkeln verstellt werden. Praktisch für die Eltern ist dabei, dass diese Einstellungen auch einhändig funktionieren, beispielsweise, wenn sie während der Fahrt vom Beifahrersitz aus etwas umstellen.

Kopfstütze

Damit Sie dem Kind einen ebenso bequemen wie sicheren Sitz ermöglichen, braucht es eine verstellbare Kopfstütze. Im fortgeschrittenen Alter, wenn der Kopf über die Rückenlehne hinauswächst, ist es wichtig, dass die Kopfstütze entsprechend angepasst werden kann. Das oberste Teil kann dabei herausgezogen und die Lehne somit verlängert werden. Dies ist entweder in mehreren Stufen oder stufenlos möglich.

Schadstofffreie Verarbeitung

Der Hauptgrund, warum Kindersitze in Test durchfallen, ist nicht etwa mangelnde Sicherheit, sondern eine zu hohe Schadstoffbelastung. So werden als Weichmacher Phthalate eingesetzt, die dafür sorgen, dass Kunststoffe nicht so leicht brechen. Auch Flammschutzmittel werden manchmal in den in Kindersitzen verarbeiteten Teilen gefunden. Achten Sie beim Kauf darauf, dass gesetzliche Grenzwerte für derartige Schadstoffe nicht überschritten werden.

Säuglingseinsatz

Damit ein Säugling in seinen ersten Monaten, in denen er noch nicht selbstständig sitzen kann, bequem und sicher im Reboarder transportiert wird, gibt es eine spezielle Einlage, die den Sitz etwas verkleinert. Hierin liegt das Baby in einer Schlafposition und wird von allen Seiten wie in einer weichen Schale gehalten. Nach einigen Monaten können Sie die Einlage entfernen und das Kind sitzend im Reboarder befördern.

360-Grad-Drehung

Keine unabdingbare Sicherheitsfunktion, aber eine erhebliche Erleichterung in manchen Situationen ist die Rundumdrehung. Sie ist nicht nur praktisch, wenn Sie den Sitz in sowie gegen die Fahrtrichtung nutzen wollen. Auch um das Kind hineinzusetzen oder herauszunehmen, ist diese Funktion hilfreich. Sie können den Sitz nach der Fahrt zur offenen Hintertür drehen, damit das Kind leichter aussteigen kann. Außerdem wird es Ihnen erleichtert, das Kleine in den Reboarder zu setzen, wenn Sie nur einen Dreitürer haben und sich am umgeklappten Vordersitz vorbei nach hinten beugen müssen.

Sonstiges Zubehör

Manche Hersteller statten ihre Reboarder mit zusätzlichen praktischen Elementen aus oder bieten sie zum Kauf an. Beispielsweise können Getränkehalter oder ein kleines Sonnensegel am Sitz installiert werden. Mit einem Rückspiegel, der auf der Lehne der Rückbank angebracht wird, können Sie Ihrem Kind ins Gesicht schauen. Eine Schutzunterlage, die zwischen Reboarder und Autositz gelegt wird, verhindert, dass sich Letzterer zu sehr abnutzt. Außerdem sollten Sie auf abnehmbare Bezüge Wert legen, damit Sie diese reinigen können, bestenfalls in der Wachmaschine.

Weiterführende Testberichte

Achtung: Hierbei handelt es sich um einen Vergleich. Wir haben die Reboarder nicht selbst getestet.

Der ADAC testet regelmäßig Kindersitze, so auch Reboarder. Einige Tests sind aktueller als andere, der ADAC empfiehlt aber weiterhin alle Kindersitze, die seit 2015 getestet und mit den Urteilen „Sehr gut“ bis „Befriedigend“ bewertet wurden.

Die aktuell besten Reboarder erhielten die Gesamtnote 1,5. Es handelt sich um die Modelle Kiddy Evo-Luna i-Size, Maxi-Cosi Jade und Silver Cross Dream. Alle drei Sitze liegen mit 420 bis 500 Euro eher im gehobenen Preissegment, wurden jedoch mit Top-Noten in puncto Sicherheit bewertet. Die Sitze sind rund 5,5 Kilogramm schwer und eignen sich für Babys: der Maxi-Cosi bis zu einer Größe von 70 Zentimetern, die anderen beiden Modelle bis zu einer Größe von etwa 85 Zentimetern. Alle passen sich ergonomisch gut an das Kind an und sind mit einer ISOFIX-Verbindung versehen. Als auffälliger Kritikpunkt ist beim Kiddy-Modell eine leicht erhöhte, jedoch nicht kritische Schadstoffbelastung im Material gemessen worden.

Empfohlene Modelle, die sowohl für Babys als auch Kleinkinder geeignet sind, sind unter anderem der Concord Reverso und Britax Römer Swingfix i-Size mit einer Gesamtnote von 1,7. Bei den reinen Kleinkindermodellen konnten unter anderem Besafe iZi Modular RF X1 und Britax Römer M mit der gleichen Note überzeugen.

Auch die Stiftung Warentest nimmt sich regelmäßig Kindersitzen verschiedenster Bauarten an. In der Übersicht können Sie selbst Filter setzen, welche Kriterien angezeigt werden: zum Beispiel nur Sitze, in denen das Kind rückwärts sitzt, oder Modelle, die für Babys und Kleinkinder gleichermaßen geeignet sind. Es finden sich einige mit „Gut“ bewertete Produkte, darunter aus dem Test von 2022 die Maxi-Cosi-Modelle Mica Pro Eco i-Size und Pearl 360 mit der Note 2,1 sowie der Nuna Todl Next mit einer 2,3. Axkid One+ und Nuna Prym, die im Mai 2020 unter die Lupe genommen wurden, konnten ebenfalls mit einer 2,1 überzeugen.

Bei den Sitzen von Maxi-Cosi wurde kritisiert, dass der Einbau ins Auto nicht allzu leicht von der Hand geht. Der Nuna Prym und der Sitz von Axkid sind mit über zehn Kilogramm Gewicht relativ schwer, Letzterer ist zudem nicht für jeden Autotyp geeignet.

In puncto Sicherheit bekamen alle Modelle gute bis sehr gute Bewertungen; Axkid One+ und die Nuna-Modelle konnten vor allem beim Seitenaufprallschutz überzeugen. Positiv wurden Größenanpassung und Sitzumbau erwähnt. Sobald der Sitz im Auto installiert ist, ist die Handhabung einfach und meist intuitiv. Sowohl die Maxi-Cosi- als auch die Nuna-Sitze lassen sich drehen, sodass das Kind im fortgeschrittenen Alter vorwärts fahren kann.


Abb. 1: © Netzvergleich | Abb. 2: © YUTO PHOTOGRAPHER / stock.adobe.com | Abb. 3: © Netzvergleich