Motorrad-Headset-Kaufberatung: So wählen Sie das richtige Produkt

  • Das Wichtigste in Kürze
  • Ein Motorrad-Headset ermöglicht es, sich während der Fahrt bequem mit dem Sozius oder anderen Motorradfahrern zu unterhalten.
  • Viele Modelle eignen sich zum Musik- oder Radiohören, zur Übertragung der Anweisungen des Navigationssystems oder zum Telefonieren.
  • Die Anzahl der Gesprächsteilnehmer, die sich über die Motorrad-Gegensprechanlage verständigen können, variiert in der Regel zwischen 2 und 16 Personen.
  • Auch die Reichweiten, die das Funksystem überbrücken kann, Reichweite je nach Modell zwischen einigen hundert Metern und etwa zwei Kilometern.
  • Für Gespräche mit dem Beifahrer reicht ein Einsteiger-Headset mit wenigen Funktionen aus.

Kommunikation auf zwei Rädern

Egal, ob es um eine Pause, das Nachtanken oder eine abseits der Route entdeckte Sehenswürdigkeit geht: Auf einer Motorradtour kommt es häufig zu Situationen, in denen sich Biker absprechen möchten. Allerdings gestaltet sich die Kommunikation während der Fahrt mitunter schwierig: Nicht nur der Helm dämpft das Gesagte, sondern auch der Fahrtwind, die Wetterbedingungen, das Geräusch des eigenen Zweirades sowie der Lärm der anderen Verkehrsteilnehmer bedingen, dass man dem Sozius oder einem anderen Biker etwas zuruft, aber nur die Hälfte ankommt. Auch die Antwort bereitet Probleme, sodass Sie noch einmal nachfragen müssen.

Notgedrungen findet die Kommunikation nicht selten mit Händen und Füßen statt – mit mehr oder weniger eindeutigem Ergebnis. Abhilfe schafft hier ein Kommunikationssystem für das Motorrad. Ein solches Motorrad-Headset besteht in der Regel aus einer Sende- und Empfangseinheit, die seitlich am Helm montiert wird. Von hier aus geht ein kabelgebundenes Bügelmikrofon ab, das vor den Mund geführt wird.

Das folgende YouTube-Video des Motorrad-Ausrüsters Louis zeigt, wie ein Motorrad-Headset am Helm befestigt wird.

Ist das Musikhören und Kommunizieren beim Motorradfahren erlaubt?

Generell ist die Nutzung von Kopfhörern zum Kommunizieren und Musikhören auf dem Motorrad erlaubt. Wie im Auto gilt aber, dass Sie die Lautstärke so einrichten sollten, dass Sie Martinshorn und warnendes Hupen wahrnehmen können. Bei Nichtbeachtung kann Ihnen bei einem Unfall eine Teilschuld zugesprochen werden, auch die Versicherung kann Leistungen kürzen. Muschel- und In-Ear-Kopfhörer schotten besonders von der Außenwelt ab. Setzen Sie daher auf offenere Systeme wie aufliegende Lautsprecher oder Half-In-Ear-Kopfhörer, die Umgebungsgeräusche hindurchlassen.

Das ist mit den Sprecheinrichtungen möglich

Grundfunktion einer Motorrad-Gegensprechanlage ist die Sprachkommunikation mit anderen Motorradfahrern. Dabei kann es sich um den Sozius handeln, der auf dem eigenen Motorrad mitfährt, aber auch um Biker in bis zu zwei Kilometern Entfernung.

Zudem dienen die kleinen Kommunikationshilfen auch der Unterhaltung: Viele Modelle verfügen über einen integrierten Radiotuner. Dabei handelt es sich in der Regel um einen UKW-Empfänger, zukünftig wird aber auch vermehrt auf DAB+-Empfänger gesetzt werden. Einige Modelle haben zusätzlich eine MP3-Funktion an Bord. Sie können Ihre Lieblingssongs auf das Headset laden und so während der Tour Musik genießen.

navigation am motorradlenker

Darüber hinaus lassen sich die meisten Motorrad-Headsets per Bluetooth mit dem Smartphone koppeln. Das ist gleich aus mehreren Gründen praktisch: Der offensichtlichste Nutzen besteht darin, während des Motorradfahrens telefonieren zu können. Sie bleiben erreichbar und können von unterwegs aus Absprachen tätigen, ohne dafür den fahrbaren Untersatz abstellen und den Helm abnehmen zu müssen.

Eine Smartphone-Kopplung bringt aber noch mehr Vorteile mit sich: Wenn Sie beim Fahren Navigationsanwendungen wie Google Maps nutzen, lassen sich die Routen-Anweisungen praktischerweise in den Helm übertragen. Sofern Sie das Smartphone am Lenker befestigt haben, brauchen Sie sich nicht auf die visuelle Routenbeschreibung beschränken. Die Sprachanweisungen helfen dabei, auf der gewünschten Route zu bleiben. Zudem können Inhalte wie Musikdateien, Radio, sogar Internetradio-Stationen aus der ganzen Welt oder Podcasts gestreamt werden.

Nicht zuletzt bieten viele klassische Navigationsgeräte die Kopplung per Bluetooth an. Auch die Sprachausgabe dieser Routenfinder lässt sich auf diese Weise bequem und kabellos in den Helm übertragen.

Smartphone-Bedienung während der Fahrt ist tabu

Wie beim Autofahren gilt: Während der Fahrt darf das Smartphone nicht mit den Händen bedient werden. Anders sieht es bei der Sprachsteuerung aus. Bedenken Sie aber, dass das längere Betrachten des Displays eine nicht zu unterschätzende Ablenkung und damit eine Gefahrenquelle darstellt.

Darauf kommt es beim Kauf an

Beim Kauf eines Motorrad-Intercoms sind einige technische Unterschiede zu beachten. Beispielsweise können die maximale Sendereichweite des Funksystems, die Bluetooth-Version oder die Akku-Laufzeit entscheidend sein. Sie lassen sich an allen Helmarten montieren. Allerdings kann die Verständigung bei einem offenen Helmtypen – wie einem Jet- oder Cross-Helm – schwieriger sein als bei einem geschlossenen Integralhelm.

Funkreichweite

Von der Reichweite des Gerätes hängt ab, wie weit Biker voneinander entfernt sein dürfen, bevor die Funkverbindung abreißt. Das ist sowohl bei Kolonnenfahren über die Landstraße von Bedeutung, bei denen die Gruppe schon an einer Kreuzung oder einer roten Ampel getrennt wird, als auch bei Fahrten über die Autobahn, bei denen die Gruppe zeitweise außer Sichtweite gelangt. Die Reichweitenangaben der Hersteller betragen einige Hundert bis 2.000 Meter.

In der Praxis zeigt sich, dass die Maximalwerte nur bei freier Sicht gelten. Berge, Tunnel, Wohnhäuser, andere Verkehrsteilnehmer und widrige Witterungsverhältnisse können die Reichweite verkürzen oder die Übertragungsqualität kurzfristig mindern.

Kompatibilität

Die Kompatibilität eines Motorrad-Kommunikationssystems spielt vor allem dann eine Rolle, wenn Sie des Öfteren mit wechselnden Personen oder in großen Gruppen Touren unternehmen. Konnten Sie vor einigen Jahren lediglich mit Personen kommunizieren, die ein Motorrad-Funkgerät desselben Herstellers besaßen, gibt es inzwischen viele Modelle, die herstellerübergreifend funktionieren. Auf diese Weise können Sie mit jedem Teilnehmer, der sich in Funkreichweite befindet und dieselbe Frequenz wie Sie gewählt hat, kommunizieren. Achten Sie beim Kauf auf eine entsprechende Herstellerangabe.

Anzahl der Kanäle

kanalwahl am motorrad-headset

Steigen im Frühling die Temperaturen und mehren sich die Sonnenstunden, zieht es viele Biker auf die Piste. Gerade an Wochenenden kann es dann ganz schön voll werden. Das gilt nicht nur für die heißen Öfen auf der Straße, sondern auch für die Teilnehmer auf den Funkfrequenzen: Viele Biker bedingen eine hohe Belegung der einzelnen Kanäle, sodass eventuell Dritte die Unterhaltung mithören oder durch eigenes Sprechen den Kanal blockieren. In diesen Fällen ist es von Vorteil, wenn die Biker-Gruppe den Kanal wechseln und die Gespräche so auf einer weniger frequentierten Welle fortsetzen kann.

Anzahl der Gesprächsteilnehmer

Die Motorrad-Intercoms unterscheiden sich außerdem darin, wie viele Personen an einem Gespräch teilnehmen können. Teilweise senden und empfangen sie nicht einfach wie ein Walkie-Talkie frei in einem Kanal, sondern müssen miteinander gekoppelt werden. Die Zahl der koppelbaren Headsets liegt dann in der Regel zwischen zwei und acht, selten bei sechzehn Geräten.

Rauschunterdrückung

Die Rauschunterdrückung kommt beim Motorradfahren eine besondere Bedeutung zu. Allein das Motorgeräusch und der Fahrtwind würden das Mikrofon eines gewöhnlichen Funkgerätes dauerhaft veranlassen, diese Geräusche zu übertragen. Ein unverständliches Dauergewusel im Ohr wäre die Folge. Moderne Motorrad-Headsets übertragen nur dann, wenn gesprochen wird. Außerdem werden lästige Nebengeräusche zuverlässig herausgefiltert. Ein gut gedämmter Helm sorgt zusätzlich für eine gute Gesprächsqualität.

Akku-Laufzeit

Die durchschnittliche Akku-Laufzeit der Motorrad-Headsets liegt bei 8 bis 13 Stunden. So lange können Sie miteinander kommunizieren, mit dem Smartphone telefonieren oder sich beim Cruisen unterhalten lassen. Dann müssen die Headsets für einige Stunden zum Laden an die Steckdose, bevor es wieder auf die Straße gehen kann.

Der Ladevorgang selbst findet häufig per Micro-USB-Kabel statt – es handelt sich um die Ladekabel von älteren Smartphones. Die Laufzeit wird unter anderem davon beeinflusst, wie häufig die Geräte im Standby verbleiben und wie viel gesprochen beziehungsweise wiedergegeben wird.

Steuerung

Da bei der Fahrt das Konzentrieren auf die Straße und die herrschende Verkehrslage oberste Priorität hat, sollten die Systeme kontaktlos bedienbar sein. Der Hersteller Sena ermöglicht es beispielsweise, die komplette Steuerung unterwegs über Sprachbefehle abzuwickeln. Ähnlich wie bei der von Apple eingeführten Sprachassistentin Siri hören viele Systeme dieses Herstellers auf den Zuruf „Hey Sena“. Auf diese Weise kann der Fahrer zwischen den Kommunikations-, Navigations- und Unterhaltungsfunktionen wechseln, ohne die Hand vom Lenker nehmen zu müssen oder zu stark abgelenkt zu werden.

Optional bietet der Hersteller bei einigen Modellen Fernbedienungs-Möglichkeiten an. Viele Einstellungen lassen sich auch per Knopfdruck vornehmen, was mit Handschuhen mitunter aber gar nicht so einfach ist. Einige Modelle sind sogar durch Klopf- oder Wisch-Gesten am Gehäuse bedienbar.

bedienelemente an einem motorrad-headset
Die großen Bedienknöpfe erlauben sogar eine Bedienung mit Handschuhen.

Wasser- und Staubdichtigkeit

Da die Motorrad-Gegensprechanlage während der Fahrt ständig dem Wetter ausgesetzt ist, sollten Staub und Sand im Fahrtwind, aber auch Feuchtigkeit durch Regen den Geräten nichts ausmachen dürfen. Achten Sie beim Kauf auf eine sogenannte IP-Zertifizierung, die den Schutzgrad vor Staub- und Wassereinwirkung angibt. Einige Hersteller verzichten auch auf eine konkrete IP-Zertifizierung. Sie geben stattdessen etwa an, dass Fahrtwind und Regenschauer dem Funkgerät nichts anhaben können. In der Regel überstehen die Headsets diese Einflüsse problemfrei.

Apps

Apps für iPhones und Android-Smartphones bieten die Möglichkeit, Einstellungen einfach vorzunehmen. Dank Bluetooth-Verbindung ist das Anschließen an einen Computer mittels USB-Kabel überflüssig.

person auf motorrad zeigt smartphone

Einige Hersteller-Apps haben aber noch deutlich mehr Funktion: So bietet Sena mit seiner App RideConnected die Möglichkeit, mit einer nahezu unbegrenzten Anzahl an Fahrern ohne Reichweitenbegrenzung zu sprechen, solange Sie mit einem Mobilfunknetz verbunden sind. Bedenken Sie, dass für diese Art der Kommunikation Datenvolumen verbraucht wird.

Abmessungen und Gewicht

In ihren Abmessungen unterscheiden sich die einzelnen Motorrad-Gegensprechanlagen nicht groß: In der Regel handelt es sich um etwa 10 x 5 x 3 Zentimeter große Boxen, die seitlich am Helm befestigt wird. Die Ohrhörer und das Mikrofon werden von dort aus mittels Kabel in oder an den Helm geführt. In diesen Dimensionen empfinden die wenigsten Anwender die Geräte als störend.

Wichtig für den Tragekomfort ist auch das Gewicht: Die Sende- und Empfangseinheit ist nicht nur der größte, sondern mit ihrem integrierten Akku auch der schwerste Teil des Motorrad-Headsets. Mit einem Gewicht von gerade einmal 60 bis 200 Gramm an einer Seite des Helms stört sie allerdings noch nicht das Gleichgewicht beziehungsweise die Nackenmuskulatur. Ein deutlich höheres Eigengewicht, das bei einigen vermeintlichen Schnäppchen vorkommt, wirkt sich hingegen negativ auf den Tragekomfort aus.

Earbuds als Alternative zu Motorrad-Headsets

Als einfache Alternative zu Motorrad-Headsets können die kabellosen Bluetooth-Kopfhörer angesehen werden, die von vielen Smartphone-Nutzern ohnehin bereits im Alltag Verwendung finden. Allerdings sind ihre Anwendungsmöglichkeiten hier sehr begrenzt. Zwar können Biker damit Musik hören und sich die Anweisungen eines Navigationssystems ins Ohr übertragen lassen, in puncto Kommunikation ist aber nur das Telefonieren über das Mobilfunknetz möglich.

frau in motorradkleidung traegt ear pods

Außerdem ist keine Rauschunterdrückung vorhanden, sodass Fahr- und Windgeräusche zum Ärgernis für den Gesprächspartner werden können. Viele dieser Kopfhörer schotten den Anwender darüber hinaus zu sehr von seiner Umwelt ab, sodass der Gebrauch auf dem Motorrad gefährlich werden kann. Daher könnte die Verwendung von In-Ear-Kopfhörern sogar zu Problemen bei einer Polizeikontrolle führen. Fahren Sie regelmäßig mit dem Motorrad und wünschen Sie sich die aufgezeigten Funktionen, lohnt sich die Investition in ein Motorrad-Headset allemal.

Weiterführende Testberichte

Achtung: Hierbei handelt es sich um einen Vergleich. Wir haben die Motorrad-Headsets nicht selbst getestet.

Auf der Suche nach weiterführenden Testberichten schauen viele Kaufinteressenten zuerst auf der Homepage der renommierten Stiftung Warentest vorbei. Allerdings nahmen die Tester des Berliner Prüfinstituts bislang keine Motorrad-Headsets unter die Lupe.

Fündig werden Sie unter anderem im Kradblatt. Ein Einzeltest aus dem Jahr 2016 beschäftigt sich mit einem Motorrad-Headset, genauer dem Modell Sena 20S. Das Bluetooth-Kommunikations-System für Motorräder eignet sich auch für die Bedienung mit Handschuhen.

Die Tester zeigen sich von der HD-Sprachqualität überzeugt. Nahezu alle Motor- und Nebengeräusche sowie das Rauschen des Fahrtwindes werden komplett herausgefiltert. Zudem erfreute die Redakteure das umfangreiche Zubehör: Mehrere Mikrofone für unterschiedliche Helmtypen, Lautsprecher sowie eine Möglichkeit, Kopfhörer anzuschließen, stattdessen ein umfangreiches Montagepaket, bestehend aus diversen Klebepads und einem passenden Inbusschlüssel.

Im Praxistest fanden die Redakteure heraus, dass die angegebene maximale Reichweite von zwei Kilometern etwas optimistisch ist. Realistischer ist ihrer Erfahrung nach eine Reichweite von etwa 1,2 Kilometern zwischen den einzelnen Gesprächsteilnehmern. Größere Entfernungen führen zu einer stotternden Verbindung.

Ein schönes und erwähnenswertes Feature ist das Teilen von Audioinhalten. Auf diese Weise lässt sich Musik simultan an alle Motorrad-Freunde in Reichweite streamen – ideal für eine stimmungsvolle Playlist. Beginnt ein Teilnehmer während der Wiedergabe ein Gespräch, wird die Musik während der Spracheingabe leiser gestellt. Das positive Gesamtpaket wird durch die überzeugende Akkulaufzeit von bis zu 13 Stunden im Sprachmodus abgerundet.

Niklas Gollan

Niklas Gollan

24.11.2020