Rückfahrkamera-Kaufberatung: So wählen Sie das richtige Produkt

  • Das Wichtigste in Kürze
  • Rückfahrkameras machen den toten Winkel auf einem Monitor im Fahrzeuginneren einsehbar, sodass das Rückwärtsfahren und das Einparken vereinfacht werden.
  • Noch sicherer wird das Rangieren in Kombination mit einer akustischen Einparkhilfe. Die Signale helfen bei der Einschätzung von Distanzen.
  • Kabelgebundene Rückfahrkameras sind besonders störungsfrei, die Montage ist dafür aber etwas aufwendiger.
  • Funk-Kameras sind flexibler und an Anhängern montierbar – allerdings sind sie störanfälliger als kabelgebundene Ausführungen.

Fahren mit Rundumsicht: Sicher rangieren mit Rückfahrkameras

Vor allem in neueren Automobilen und größeren Fahrzeugen wie Vans oder SUVs – und natürlich in LKW, Transportern und Wohnmobilen – gehören Rückfahrkameras zur Grundausstattung. Sie sind am Heck des Fahrzeugs angebracht und übermitteln das, was sich hinter dem Auto abspielt, auf einen Monitor im Fahrzeuginneren. Für diejenigen, die viel im Stadtverkehr unterwegs sind, häufig in enge Parklücken einparken müssen oder in einer Nachbarschaft mit Spielstraßen wohnen, sind die Geräte besonders hilfreich. Schließlich ist nicht immer ein Beifahrer anwesend, der beim Ein- oder Ausparken hilft. Falls das Auto nicht werksmäßig mit einer Rückfahrkamera ausgestattet ist, lässt sie sich einfach nachrüsten.

Für wen ist eine Rückfahrkamera sinnvoll?

Die Technik der Rückfahrkameras hat sich im Laufe der letzten Jahre stark verbessert. Ein Grund ist die wachsende Beliebtheit von SUVs – im Jahr 2019 war laut Statista bereits jedes fünfte neu zugelassene Auto ein „Sport Utility Vehicle“. Die hohen, geräumigen Fahrzeuge bieten einen vergleichsweise großen Komfort beim Ein- und Aussteigen. Zudem haben Fahrer zumindest nach vorne dank der erhöhten Sitzposition eine sehr gute Übersicht über das Straßengeschehen. Das macht die Autos besonders attraktiv für Vielfahrer, unsichere Fahranfänger und Familien mit mehreren Kindern. Allerdings ist die Sicht nach hinten aufgrund der Größe der Fahrzeuge beeinträchtigt, vor allem wenn sich weitere Personen oder Gepäck an Bord befindet. Eine Rückfahrkamera sollte deshalb zur Standardausrüstung gehören.

Auch für ältere Menschen und Fahrer, die sich nur eingeschränkt bewegen können, ist eine Rückfahrkamera sinnvoll, um sicher rückwärtsfahren und einparken zu können. Auch diejenigen, die im beruflichen Alltag oder aufgrund privater Aktionen, etwa eines Umzugs, auf einen Transporter angewiesen sind, werden die Vorteile einer Rückfahrkamera schnell einsehen. Mittlerweile ist die Technik der Kameras ausgereift und der Monitor springt in der Regel sofort an, sobald der Rückwärtsgang eingelegt wird. Dafür muss die Rückfahrkamera mit der Rückleuchte verbunden werden. Auf diese Weise wird die Kamera mit Strom versorgt. Einige Modelle ersetzen sogar die Rückleuchte und übernehmen ihre Funktion. Neben dem übermittelten Bildbereich hinter dem Fahrzeug blenden Rückfahrkameras meist ein Gitternetz oder dynamische Linien ein. Diese Hilfestellungen verdeutlichen zum einen den Abstand zu anderen Objekten und zeigen zum anderen den Fahrverlauf an, der mit dem Einschlagen des Lenkrades zu erwarten ist.

Visuell oder akustisch? Im Idealfall beides

Neben visuellen Einparkhilfen via Monitor gibt es auch akustische Varianten. Bei akustischen Einparkhilfen messen Sensoren an der Stoßstange die Distanz zu einem Hindernis und geben Warntöne ab, wenn sich diese Distanz verringert. Diese Signale werden bei Näherkommen entweder lauter oder schneller und signalisieren so, ab wann Sie nicht mehr weiterfahren sollten. Allerdings sehen Sie nicht, wo sich das Hindernis befindet und um was es sich dabei handelt. Für ein sichereres Gefühl und eine bessere Orientierung empfiehlt sich daher eine Kombination aus akustischer Einparkhilfe und Rückfahrkamera.

Wie funktioniert eine Rückfahrkamera?

Sowohl werkseitig eingebaute Kamerasysteme als auch Rückfahrkamerasets zum Nachrüsten umfassen eine oder mehrere Videokameras, welche die Umgebung hinter dem Fahrzeug erfassen. Über Funk oder Kabel werden die Bildsignale an einen Monitor in Echtzeit übermittelt. Der Monitor ist in der Regel so in der Mittelkonsole platziert, dass der Fahrer ihn bequem einsehen und per Touchscreen das Navigationsgerät oder andere Fahrzeugeinstellungen steuern kann. Ist eine Rückfahrkamera werkseitig integriert, läuft die Bildübertragung in der Regel über diesen zentralen Monitor. Bei Rückfahrkameras zum Nachrüsten ist häufig ein eigener Bildschirm im Lieferumfang enthalten, der auf dem Armaturenbrett oder an der Frontscheibe befestigt wird. Darüber hinaus gibt es Kameras, die das Bild auf ein gekoppeltes Smartphone übertragen, das ebenfalls mit einer speziellen Halterung im Blickfeld des Fahrers fixiert werden muss.

Kabelgebundene Rückfahrkameras

Kabelgebundene Rückfahrkameras sind in der Montage etwas aufwendiger. Das Kabel muss vom Heck aus durch das Innere des Fahrzeugs nach vorn zum Monitor geführt werden. Aus diesem Grund werden die Modelle nicht bei Anhängern beziehungsweise größeren Fahrzeugen wie LKW oder Transportern verwendet. Der Vorteil von kabelgebundenen Rückfahrkameras ist, dass die Übertragung im Vergleich zur Bildübertragung über Funk störungsfreier verläuft.

Funk-Rückfahrkameras

Drahtlose Rückfahrkamerasysteme sind einfach zu installieren, da hier kein fest verbautes Kabel verlegt werden muss. Das macht sie beispielsweise besonders interessant für alle, die häufig mit Anhänger fahren. Im Vergleich zu einem kabelgebundenen System kann es jedoch zu Übertragungsstörungen kommen, etwa zum Einfrieren des Bildes. Das kann beispielsweise bei sehr großen Fahrzeugen passieren oder wenn Personen im Fahrzeug die direkte Funkverbindung stören. Daher ist es wichtig, dass trotz der Rückfahrkamera und akustischen Warnsignale die Aufmerksamkeit des Fahrers beim Rückwärtsfahren und Einparken nicht nachlässt. Funk-Rückfahrkameras funktionieren entweder über eine analoge Funkübertragung oder eine digitale Übertragung per WLAN beziehungsweise Bluetooth.

Darauf kommt es beim Kauf einer Rückfahrkamera an

Neben der Verbindungstechnologie und dem Gerät für den Bildempfang gibt es eine Reihe weiterer Kriterien, welche die Kaufentscheidung beeinflussen. Diese hängen teilweise davon ab, für welches Fahrzeug die Rückfahrkamera angeschafft werden soll beziehungsweise wann und wie oft sie genutzt wird.

Blickwinkel

Je größer der horizontale und vertikale Blickwinkel ist, desto vollständiger fällt das Sichtfeld aus und desto besser ist die Orientierung des Fahrers. Damit möglichst viel von der Umgebung abgedeckt wird, verwenden Rückfahrkameras ein Weitwinkelobjektiv mit Speziallinsen. Für eine bessere Übersicht erscheinen die Distanzen auf dem Monitor allerdings etwas geringer, als es in der Realität der Fall ist. Um ein möglichst unverzerrtes Bild zu gewährleisten, sollte eine Rückfahrkamera einen Aufnahmewinkel von 170 Grad haben.

Displaygröße und -auflösung

Wer die Rückfahrkamera seines Autos regelmäßig nutzt und sich auf das angezeigte Bild verlässt, sollte darauf achten, dass der Monitor groß genug ist und die Auflösung ein scharfes Bild garantiert. Als Richtwert empfehlen sich LC-Displays mit einer Bildschirmdiagonale von 7 Zoll und einer Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln. Für Fahrer, die keinen großen Wert auf eine optimale Darstellung legen und lediglich eine Unterstützung beim Rückwärtsfahren brauchen, gibt es auch kostengünstige Modelle mit einer Diagonale von 3 bis 4 Zoll und einer geringen Auflösung von rund 320 x 240 Pixeln. Diese Kameras eignen sich jedoch nicht für punktgenaues Rangieren helfen, sondern helfen nur bei einer ungefähren Orientierung.

Übertragungsreichweite

Die Übertragungsreichweite spielt insbesondere bei sehr großen Fahrzeugen wie LKW, Transportern oder Autos mit Anhängern eine große Rolle. Da kabelgebundene Rückfahrkameras eher aufwendig zu installieren sind, wird hier vorzugsweise zu Funk-Kameras gegriffen. Eine Verbindung über WLAN ist deutlich stabiler und gewährleistet eine höhere Übertragungsreichweite als eine Verbindung über Bluetooth. Bei vielen Kameras ist eine Übertragungsreichweite von bis zu 100 Metern gegeben.

Gehäuse

Das Gehäuse von Rückfahrkameras ist sehr robust und witterungsbeständig. Feuchtigkeit und Kälte können den Kameras in der Regel nichts anhaben. Als Anhaltspunkt für den Schutz vor Schmutz und Feuchtigkeit gilt der IPWert. Er gibt an, wie ausdauernd eine Kamera gegenüber physischen Einwirkungen wie Stößen und Schlägen sowie Nässe ist. Je höher die IP-Nummer ist, desto besser ist das Gerät geschützt.

Manche Modelle verfügen sogar über eine zusätzliche Heizfunktion, die verhindert, dass die Rückfahrkamera bei Minusgraden einfriert. Eis und Schnee tauen ab, sodass die Sicht weiterhin frei bleibt. Einige Modelle besitzen eine Klappe, welche die Kamera bei Nichtgebrauch schützt. Während des Rückwärtsfahrens öffnet sich die Klappe automatisch. Solche Klappen werden vor allem für Kameras von Baustellen- und Landwirtschaftsfahrzeugen verwendet. Dank solcher Schutzmechanismen wird die Lebenszeit der Kameralinse erheblich verlängert.

Akku

Rückfahrkameras beziehen ihren Strom entweder über die Rücklichter oder einen integrierten Akku. Funkkameras sind als batterie- oder akkubetriebene Variantenerhältlich. Der Einbau dieser Geräte ist einfacher, da kein Kabel verlegt werden muss. Allerdings sind Sie hier darauf angewiesen, dass der Akku stets geladen ist. Aus diesem Grund sollten Sie vor jeder Fahrt auf die Funktionalität der Rückfahrkamera achten.

Extras und Funktionen

Neben der Grundausstattung gibt es weitere hilfreiche Zusatzfunktionen:

Die automatische Bildaktivierung ist besonders praktisch, da sich der Monitor von selbst einschaltet, sobald Sie den Rückwärtsgang einlegen. Diese Funktion gibt es allerdings nur bei Kameras, die mit dem Rücklicht verbunden sind. Wenn Sie den Vorwärtsgang einlegen, schaltet sich das Bild automatisch wieder ab.

Hilfslinien auf dem übertragenen Bild teilen den Bereich in mehrere Zonen auf. Eine Farbcodierung der Linien macht deutlich, wenn der Abstand zum Hindernis zu gering wird. Diese Funktion können Sie in den meisten Fällen auf Wunsch abschalten, da die Linien nicht immer eine Hilfestellung bieten, sondern auch irritieren können.

Eine Nachtsichtfunktion kann sehr hilfreich sein: Bei Dunkelheit und schlechten Sichtverhältnissen schalten sich automatisch Infrarot-LED-Leuchten an, sodass der hintere Bereich am Fahrzeug besser ausgeleuchtet ist.

Ein Mikrofon an der Kamera ist beispielsweise für LKW und größere Nutzfahrzeuge sinnvoll, wenn beim Rangieren mehrere Personen miteinander kommunizieren müssen. In solchen Situationen sind auch sogenannte Multikamera-Rückfahrsysteme, die aus mehreren Kameras bestehen, von Vorteil. Je nach Ausführung können Sie bis zu vier Videokameras an das Fahrzeug montieren. Auf diese Weise vergrößern Sie Ihr Sichtfeld in großen Fahrzeugen deutlich – auch im Frontbereich erweisen die Kameras einen guten Dienst, wenn das Auto beispielsweise sehr hoch ist.

Kameras mit Aufnahmefunktion können bei Unfällen oder Sachschäden die gespeicherten Live-Bilder als Beweise liefern. Als Speichermedium dienen beispielsweise SD-Karten oder USB-Sticks.

Wie installiere ich eine Rückfahrkamera?

Eine Rückfahrkamera wird entweder am Fahrzeug festgeschraubt, am Kennzeichnen befestigt oder per Magnet beziehungsweise Clip am Heck montiert. Es empfiehlt sich, die Kamera an einer geschützten Stelle zu befestigen, damit die Linse weitestgehend vor aufwirbelnden Staub und vor Feuchtigkeit geschützt ist. Eine Möglichkeit ist es, die Kamera unter der Griffleiste des Kofferraums oder der Nummernschild-Halterung zu montieren. Befestigen Sie die Kamera in einem leicht nach unten geneigten Winkel. Auf diese Weise sehen Sie die Stoßstange im Bild und können sie als zusätzliche Orientierungshilfe nutzen. Machen Sie ein paar Probeaufnahmen, bevor Sie die Kamera endgültig montieren und während der Fahrt nutzen.

Im Zweifel in die Werkstatt

Sobald es darum geht, Löcher in das Auto zu bohren und Kabel im Innenraum zu verlegen, empfiehlt sich die Fahrt in die Werkstatt. Sonst laufen Sie schnell in Gefahr, dass Feuchtigkeit durch die Löcher ins Fahrzeug eindringt und es Probleme mit der Bordelektronik gibt.

Welche gesetzlichen Vorgaben gibt es für Rückfahrkameras?

Für PKW, unter anderem auch Vans und SUVs, Kleintransporter sowie LKW, die leichter als 3,5 Tonnen sind, gibt es keine vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Regelungen für den Gebrauch von Rückfahrkameras. Die Nutzung solcher Kamerasysteme ist damit freiwillig. Wichtig ist nur, dass bei der Installation die Verkehrstauglichkeit des Fahrzeuges nicht beeinträchtigt wird. Seit 2007 müssen in Fahrzeugen mit einem Gewicht von mehr als 3,5 Tonnen Weitwinkelspiegel und Rückfahrkameras verbaut sein, um den toten Winkel einsehbar zu machen. Eine vollständige Sicht des Fahrers ist bei großen Fahrzeugen sehr wichtig und daher Pflicht – aus diesem Grund werden moderne LKW und Busse bereits im Werk mit Rückfahrkameras ausgestattet.

Weiterführende Testberichte

Achtung: Herbei handelt es sich um einen Vergleich. Wir haben die vorgestellten Rückfahrkameras nicht selbst getestet.

Bisher gibt es noch keine Testberichte von Verbrauchermagazinen zu Rückfahrkameras (Stand: 17.03.2021). Die Stiftung Warentest berichtete im Jahr 2014 lediglich von dem Fall einer Fahrerin, die auf ihrem Schaden sitzenblieb, da das Amtsgericht Hannover entschied, dass sie sich nicht allein auf die Einparkhilfe hätte verlassen dürfen. Die Sensoren hatten die Metallstrebe eines Lüftungsschachtes nicht erfasst und die Fahrerin sei trotz sichtbarer Warnklebestreifen gegengefahren.

Dieser Fall verdeutlicht einerseits, wie wichtig ein gut funktionierendes Einparksystem ist, und andererseits, dass sich Fahrer nicht allein auf die Technik verlassen dürfen. Stattdessen sollte jeder Fahrer eines Kraftfahrzeugs aufmerksam und mit Schulterblick die Umgebung prüfen. Ein Test aktueller Rückfahrkameras ist demnach besonders ratsam – insbesondere aufgrund der großen Unterschiede zwischen den Modellen und ihren Einsatzmöglichkeiten. Verbraucher sollten sich neutral und unabhängig über die Qualität der angebotenen Modelle informieren können. Beispielsweise ist die Störungsfreiheit der Übertragungstechnologie eine wichtige Eigenschaft, die regelmäßig von unabhängiger Stelle geprüft werden sollte. Ein eingefrorenes Bild ist nicht nur ärgerlich, sondern kann die Gefahr eines Auffahrunfalls erhöhen; besonders, wenn kein paralleles Tonsignal vor der herannahenden Kollision warnt. Auch die Unempfindlichkeit gegenüber Schmutz, Staub und Feuchtigkeit ist zu untersuchen, ebenso die Bildschirmauflösungen der Monitore.

Fahrzeuge, die mehr als 3,5 Tonnen wiegen, werden heute vom Fabrikanten mit entsprechenden Systemen ausgestattet oder beim Fachmann nachgerüstet. Der normale Verbraucher aber ist auf unabhängige Testberichte angewiesen, um eine solide Kaufentscheidung zu treffen – der Einbau sollte im Zweifel ebenfalls in der Werkstatt erfolgen, damit zum einen die Verkehrstauglichkeit des Fahrzeugs weiterhin gewährleistet und zum anderen die Funktionstüchtigkeit des Rückfahrkamerasystems garantiert ist.

Carmela

Carmela

23.11.2020