Anzündkamin-Kaufberatung: So wählen Sie das richtige Produkt

  • Das Wichtigste in Kürze
  • Mit einem Anzündkamin ist ein Grill schneller nutzbar: Holzkohle und Briketts lassen sich mit diesem Helfer dank Kamineffekt in etwa 15 bis 30 Minuten vorglühen.
  • Durch Spiritus kommt es jährlich zu tausenden Feuerunfällen am Grill: Angesichts dessen ist ein Anzündkamin eine sicherheitsorientierte Alternative für ein unbeschwertes Grillvergnügen.
  • Bei der Auswahl ist auf robuste Materialien und sicherheitsrelevante Funktionsmerkmale, zum Beispiel einen Funkenschutz und wärmeisolierte Handgriffe, zu achten.
  • Für eine sichere Verwendung von Anzündkaminen ist das Tragen feuerfester Grillhandschuhe empfehlenswert.

Zeitsparende Bereicherung für ein genussvolles Grillvergnügen

In Deutschland ereignen sich jedes Jahr mehr als 4.000 Unfälle mit Anzündhilfen wie Spiritus beim Grillen. Die Folge sind teils schwere Verbrennungen und langfristige gesundheitlichen Auswirkungen. Insofern ist es verständlich, warum sich viele Grillfans mit einem Anzündkamin für eine sichere und bequeme Alternative entscheiden, um die Kohle auf die perfekte Temperatur vorzuglühen – und das mit einer kurzen Vorlaufzeit.

Das steckt hinter dem Kamineffekt

Brikets im Grillkamin

Auf den ersten Blick ist ersichtlich, dass Anzündkamine die Form eines Zylinders aufweisen. Die Höhe liegt üblicherweise bei 30 bis 35 Zentimetern, der Durchmesser bei etwa 20 Zentimetern. Für die einzufüllende Holzkohle befindet sich ein Gitter im Anzündkamin. Im unteren Bereich ist das Blech mit Öffnungen versehen, durch die Luft einströmen kann. Auf einer feuerfesten Unterlage platziert kommen zunächst die Anzünder, also leicht entflammbare Materialien, in den Kamin, danach die Kohlestücke.

Heiße Luft steigt nach oben. Von unten kommt neue, kältere Luft in den Anzündkamin. Der Kamineffekt zeigt sich im Druckausgleich, durch den die heiße Luft stetig nach oben zieht und die Kohle innerhalb von kurzer Zeit zum Glühen bringt. Auf einer offenen Grillfläche würde dies deutlich länger dauern, da der Kamineffekt hier nur sehr begrenzt nutzbar ist. Ist die Kohle vorgeglüht, lässt sie sich mit dem Kamin vorsichtig in den Grill schütten. Hier kommen die Sicherheitsmerkmale wie ein Schutz vor Funkenflug von Anzündkaminen ins Spiel.

Kamineffekt
Der Kamineffekt veranschaulicht an einem Anzündkamin.

Die verschiedenen Ausführungen

Wer einen Anzündkamin kaufen möchte, kann je nach Preisklasse zwischen Modellen aus (gegebenenfalls verzinktem) Stahlblech und Edelstahl wählen. Beide Materialien sind feuerfest und korrosionsbeständig. Allerdings weist das dünnere Stahlblech eine geringere Lebensdauer auf.

Es versteht sich von selbst, dass das Material und seine Stabilität für die sichere Verwendung von Anzündkaminen sehr wichtig ist. Daher sind Modelle aus robusten Edelstahl prinzipiell vorzuziehen. Weitere Unterschiede zeigen sich in der Größe beziehungsweise im Fassungsvolumen. Dieses variiert typischerweise zwischen 800 und 1.500 Gramm.

So sehen die meisten Anzündkamine aus

Die große Mehrheit der verfügbaren Modelle präsentiert sich in der Form eines Zylinders. Einige wenige Modelle weisen eine rechteckige Form auf. Die Entscheidung für eine der beiden Ausführungen ist letztlich eine Frage des Geschmacks.

Bei der genaueren Betrachtung verschiedener Modelle von namhaften Herstellern fallen kleine, aber sehr funktionale Unterschiede auf. Besonders wichtig ist die Wärmeisolierung, damit sich der Handgriff auch bei einem mit glühender Kohle gefüllten Kamin noch anfassen lässt. Für die Handgriffe kommt neben Holz als Material auch hitzebeständiger Kunststoff in Betracht. Ein integrierter Schutz vor etwaigem Funkenflug sorgt beim Ausschütten der glühenden Holzkohle für einen Zugewinn an Sicherheit. Bei hochwertigen Modellen findet sich in der Regel noch ein zweiter Griff oder besser gesagt Bügel, mit dem das Ausleeren des vollen Anzündkamins leichter fällt.

Diese Vorteile bietet ein Anzündkamin

Der Grill ist durch das Vorglühen der Kohle schneller einsatzbereit (Kamineffekt), womit eine erhebliche Zeitersparnis einhergeht. Außerdem sind mit einem Anzündkamin keine potenziell gefährlichen Beschleuniger wie Spiritus notwendig. Es besteht also keine Gefahr von Verpuffungen oder Stichflammen. Noch dazu wird auf Chemikalien verzichtet, sodass keine gesundheitsschädlichen Stoffe auf das Grillgut übertragen werden. In Kombination mit feuerfesten Handschuhen ist die Verwendung nicht nur sicher, sondern auch bequem. Darüber hinaus ist die Nutzung durchaus flexibel: Schließlich kommen als Anzünder diverse brennbare Materialien in Betracht. Nicht zuletzt punktet ein Anzündkamin mit seiner Witterungsunabhängigkeit. Auch bei Wind und feuchtem Wetter lässt sich Kohle mit einem Anzündkamin schnell vorglühen.

Von Nachteil ist lediglich, dass die Außenhülle heiß werden kann. Außerdem besteht beim Umfüllen die Gefahr des Funkenflugs. Dementsprechend ist ein umsichtiges Vorgehen erforderlich.

VorteileNachteile
ZeitersparnisAußenhülle mitunter heiß
Mehr SicherheitVerzicht auf ChemikalienGefahr des Funkenflugs beim Umfüllen
Bequeme Nutzung
Flexible Einsetzbarkeit
Witterungsbeständigkeit

Entspannt grillen: Darauf kommt es beim Kauf an

Grillen ist für meisten Menschen genussvolle Lebensfreude. Dementsprechend soll alles möglichst entspannt ablaufen. Doch das Anheizen des Grills kann sich als nervenaufreibende Herausforderung erweisen. In keinem Fall darf es aber zu einem (unkontrollierten) Spiel mit dem Feuer kommen. Wer auf Komfort und Sicherheit setzen möchte, legt beim Kauf eines passenden Anzündkamins die Basis für einen unbeschwerten Genuss.

Es liegt in der Natur der Sache, dass Feuer und sehr hohe Temperaturen eine belastbare Qualität erfordern. Insofern müssen Qualitäts- und Sicherheitsaspekte beim Kauf eines Anzündkamins eine Schlüsselrolle spielen. Qualität zahlt sich aus, denn hochwertige Anzündkamine lassen sich etliche Jahre als Starthilfe beim Grillen nutzen.

Welche Qualitätsmerkmale spielen bei der Auswahl eine Rolle?

Um Sicherheit bei der Kaufentscheidung anhand konkreter Merkmale zu definieren, sollte der Anzündkamin aus robustem Edelstahl gefertigt sein. Durch eine gewisse Wandstärke – 0,8 Millimeter als Orientierung – sind Stabilität und eine lange Lebensdauer gegeben. Ein integriertes Hitzeschutzblech sowie isolierte Griffe sollte ein guter Anzündkamin ebenfalls aufweisen. Um die Herausforderung des Ausschüttens der heißen Kohle zu meistern, ist ein zweiter Handgriff empfehlenswert. Hiermit ist mehr Kontrolle möglich, schließlich hat der gefüllte Kamin auch ein gewisses Gewicht.

Ein optisches, kein funktionales Problem

Die enorme Hitzeeinwirkung kann bei Metall zu Verfärbungen führen, selbst bei regelmäßiger und gründlicher Reinigung. Hierin ist allenfalls ein optisches Problem zu sehen, denn die Funktion, genauer gesagt die Stabilität, leidet nicht darunter – eine ausreichende Wandstärke vorausgesetzt. Befürchtungen, der Anzündkamin sei nach einer Grillsaison durchgebrannt, sind meistens unbegründet.

Des Weiteren rücken als Auswahlkriterien beim Kauf eines Anzündkamins folgende Aspekte in den Fokus:

  • Welches Fassungsvermögen ist sinnvoll?
  • Wie schnell gelingt das Vorglühen mit dem Modell?
  • Welche Funktionen und Sicherheitsmerkmale sind erwünscht?
  • Spielt das Design eine besondere Rolle?
  • Wie viel soll oder darf der Anzündkamin kosten?

Eine Frage der Grillgröße

Grill im Garten anzünden

Für einen herkömmlichen Holzkohlegrill ist ein Anzündkamin vollkommen ausreichend. Das Fassungsvermögen reicht in aller Regel, um die Grillfläche gleichmäßig mit glühender Kohle zu versehen. Wer allerdings einen sehr großen Familiengrill hat, sollte einen Anzündkamin mit hohem Fassungsvermögen kaufen. Alternativ ist es möglich, nach etwa 15 Minuten eine weitere Schicht im Kamin zum Vorglühen zu bringen.

Eine Frage der Zeit

Der Hunger ist groß – doch es dauert noch, bis die Holzkohle die ausreichende Temperatur hat. Von dieser Perspektive aus betrachtet ist die Vorglühzeit ein wichtiger Aspekt beim Kauf. Generell ist mit einer Zeitspanne von 15 bis 30 Minuten zu rechnen. Innerhalb der Modelle zeigen sich zum Teil deutliche Unterschiede. Insofern lohnt es sich, in den Produktbeschreibungen auf den Faktor Zeit zu achten, wenn dieser bei der Entscheidung eine wichtige Rolle spielt.

Eine Frage der Sicherheit

Es liegt auf der Hand, dass beim Vorglühen im Inneren sehr hohe Temperaturen entstehen. Diese dringen natürlich in einem gewissen Maße an die Oberfläche des Zylinders sowie in Richtung des Handgriffes. Daher ist bei der Auswahl unbedingt auf eine funktionale Wärmeisolierung zu achten. Die Gefahr von Verbrennungen sollte sich durch nutzbare Sicherheitsfunktionen auf ein absolutes Minimum reduzieren lassen.

Einige Modelle verfügen etwa über rutschfeste Noppen im Handgriff. So besteht keine Gefahr, dass der gefüllte Zylinder aus der Hand gleitet. Vermeintlich kleine funktionale Details an einem Anzündkamin können also eine große sicherheitsrelevante Auswirkung haben. In dieser Hinsicht ist auch ein integrierter Schutz vor Funkenflug einzuordnen: Dieser hält beim Ausschütten auftretende Funken ab.

Eine Frage der Optik

Mann zündet Grill an

Vom Design beziehungsweise der Form her ähneln sich alle Modelle. Das muss aufgrund des physikalischen Prinzips des Kamineffektes auch so sein. Bei hochpreisigen Modellen wirkt das Design durch Details wie aufwendig gestaltete Griffe oft wertiger. Wer Wert auf die Optik legt, sollte sich den Anzündkamin ganz genau anschauen. Generell jedoch sorgt das glänzende Material für eine zeitlose und robuste Erscheinung, die perfekt mit vielen Grillmodellen harmoniert.

Eine Frage des Budgets

Was die Kosten angeht, so bewegen sich die meisten Modelle namhafter Hersteller in einem moderaten zweistelligen Bereich. Letztlich sind die individuellen Gebrauchsgewohnheiten entscheidend: Wer im Grillen eine Leidenschaft sieht und den Anzündkamin folglich häufig nutzt, sollte auf hochwertige Qualität setzen. Wer nur ab und an den Grill anwirft, kommt auch mit einem günstigeren Einsteigermodell aus. Aber dieses sollte ebenfalls in puncto Sicherheit in allen hier angesprochenen Aspekten überzeugen.

Feuer und Flamme: Pflegetipps für den Anzündkamin

Je nach Material und vorhandener Verzinkung kann es in der Natur des Modells liegen, dass es durch die Hitzeeinwirkung im Inneren sowie außen zu Verfärbungen kommt. Das ist in funktionaler Hinsicht unbedenklich, solange Form und Stabilität des Gerätes offensichtlich weiterhin gegeben sind.

Um den natürlichen Glanz des Materials möglichst lange zu erhalten, sollte der Anzündkamin regelmäßig nach der Nutzung gereinigt werden. Hierzu können die gleichen Utensilien wie für den Holzkohlegrill zum Einsatz kommen. Insofern kann es „ein Abwasch“ sein, die Grillfläche und das Innere des Anzündkamins zu säubern. Sie sollten auf aggressive chemische Mittel und harte Bürsten verzichten, da diese die Oberfläche beschädigen können. Warmes Wasser und ein weiches Tuch reichen in der Regel, um die gröbsten Verschmutzungen zu entfernen. Kommt der Kamin täglich beziehungsweise sehr oft zum Einsatz, benötigt er nicht zwangsläufig bei jedem Einsatz eine Reinigung. Es reicht, den Innenraum zu leeren und gegebenenfalls einmal durchzuspülen.

Tipp: So bleibt der Anzündkamin lange schön

Um das Material vor äußeren Witterungseinflüssen zu schützen, sollte der Kamin bei Nichtgebrauch sauber und trocken in einem geschlossenen Raum aufbewahrt werden. Langfristig gesehen ist es keine gute Idee, ihn immer draußen stehen zu lassen.

Wie glüht die Kohle im Anzündkamin möglichst schnell?

Beim Aufstellen des Anzündkamins ist an eine feuerfeste Unterlage zu denken, damit es nicht zu einem Brandschaden auf dem Untergrund kommt. Der Kamin lässt sich beispielsweise auf einem separaten Stein oder einer feuerfesten Metallplatte aufstellen.

Auch wenn der Kamineffekt den Großteil der Arbeit automatisch erledigt, gibt es manchmal Probleme bei der Nutzung. Das liegt in den meisten Fällen an einer falschen Anordnung der Holzkohle oder Briketts. Im Inneren des Anzündkamins ist es wichtig, dass Luft zirkulieren und so von unten nach oben aufsteigen kann. Daher sollten die einzelnen Kohlestücke nicht zu eng platziert sein. Beim Befüllen ist darauf zu achten, dass zwischen den Kohlestücken genügend Freiräume vorhanden sind. Wer die Kohle direkt aus der Tüte in den Kamin schüttet, kann mit vorsichtigem Schütteln für eine funktionale Verteilung sorgen.

Sicherheit darf kein Zufallsaspekt sein

Im Gegensatz zu Spiritus oder anderen Brandbeschleunigern ist ein Anzündkamin definitiv eine sicherheitsbewusste Alternative. Trotzdem sind die hohen Temperaturen nicht zu unterschätzen. Bei der Verwendung, insbesondere beim Ausschütten der heißen Kohle, ist das Tragen von feuerfesten Handschuhen sehr zu empfehlen. Die Außenseite des Zylinders ist nach Möglichkeit nicht zu berühren.

Woran erkenne ich, wann beziehungsweise ob die Kohle einsatzbereit ist?

Generell sind die Herstellerangaben für die Dauer des Vorglühens zu beachten. Je nach verwendeter Kohle kann es aber zu Abweichungen nach oben oder unten kommen. Ein sicheres optisches Zeichen, dass die Kohle einsatzbereit ist, sind weiße Stellen an der Oberfläche. Diese Aschebildung zeigt, dass die Briketts sehr gut vorgeglüht sind.

Weiterführende Testberichte

Achtung: Hierbei handelt es sich um einen Vergleich von Anzündkaminen. Wir haben die vorgestellten Produkte keinem Test unterzogen.

Bei einem Vergleichstest des ETM Testmagazins (Ausgabe 6/2014) sind insgesamt fünf unterschiedliche Anzündkamine von bekannten Herstellern einem Test unterzogen worden. Grundsätzlich stellen die Tester in ihrer Zusammenfassung klar, dass es deutliche Unterschiede bei der Handhabung der Geräte gibt. Eine weitere zentrale Erkenntnis bei diesem Test ist die Tatsache, dass sich qualitative Unterschiede zeigen. Diese fallen bei einem Anzündkamin stärker ins Gewicht, da sich hieraus unmittelbare Auswirkungen auf die Produktsicherheit erkennen können. So fielen teils schlecht verarbeitete Griffe oder Bodenplatten negativ auf. Im Gegensatz zu „Farbabplatzern“ handelt es sich hierbei ganz klar nicht nur um ein optisches Ärgernis. Bei schlechter abschneidenden Modellen, die sich insgesamt aber noch als befriedigend herausstellen, wird teils eine zu lange Vorglühzeit kritisiert. Hierbei handelt es sich abgesehen von der Sicherheit um das entscheidende Kaufkriterium. Daher spielt dieser Faktor für das Testurteil eine wichtige Rolle.

Testsieger mit dem Prädikat „Sehr gut“ ist der Anzündkamin von Rösle. Bei diesem Modell loben die Tester vor allem die hohe Sicherheit durch den integrierten Funkenschutz und die sehr gut isolierten Griffe. Mit einem Volumen von über 5,5 Litern eignet er sich für die meisten Grillmodelle. Knapp dahinter, ebenfalls mit der Testnote „Sehr gut“, landete der Anzündkamin von Weber (Stephen). Im Testurteil spielten vor allem die schnelle Vorglühzeit von etwa 20 Minuten und die äußerst sichere Handhabung eine Schlüsselrolle.

Sehr interessant an diesem Test für Anzündkamine ist die Langzeitperspektive. Hierbei handelt es sich um die Simulation einer Grillsaison. Sie zeigt Kaufinteressenten, wie sich das Produkt über einen längeren Zeitraum bei einer tatsächlichen Nutzung unter realen Bedingungen entwickelt. Hält die Konstruktion, was der Hersteller verspricht? Auch in dieser Perspektive schneiden die beiden Testsieger am besten ab. Außer Verfärbungen und leichter Rostbildung waren bei den Testsiegern keine funktionalen Einbußen festzustellen. Bei den anderen Modellen stellten sich mit wackelnden Teilen, Verformungen und sich lösenden Schrauben größere Probleme heraus, die auch einen Einfluss auf die sichere Verwendung haben können. Den Testern fiel bei den drei Modellen mit dem Testurteil „Befriedigend“ insbesondere auf, dass die Griffe sehr heiß werden können.

Laura Voigt

Laura Voigt

27.10.2020