Probiotikum Kaufberatung: So wählen Sie das richtige Produkt

  • Das Wichtigste in Kürze
  • Probiotika sind Nahrungsergänzungsmittel, die den Darm mithilfe von lebenden Mikroorganismen unterstützen sollen.
  • Ihre angenommene Wirksamkeit stützt sich auf die Theorie, dass viele körperliche und mentale Beschwerden die Folge einer gestörten Darmflora sind.
  • Klassische Probiotika enthalten vorwiegend eine Anzahl von lebenden Milchsäurebakterien und Hefen sowie Ballaststoffe, um die Mikroorganismen zu ernähren.
  • Die häufigste Darreichungsform sind Kapseln, aber es gibt auch Probiotika in Form von Tabletten und Pulver sowie als Flüssigkeit.
  • Herstellern zufolge ist eine Einnahme von bis zu drei Monaten erforderlich, um eine Wirkung feststellen zu können.
 probiotika im vergleich

Probiotika für das Wohlbefinden

Seit Jahren werben Hersteller wie Actimel mit probiotischen Getränken. Sie sollen gut für die Abwehrkräfte und die Verdauung sein. Mittlerweile richten sich das Augenmerk auf fermentierte Speisen wie Sauerkraut, Kimchi, Miso oder Kefir, die ebenfalls probiotisch wirken und dadurch verschiedene gesundheitliche Verbesserungen versprechen. Somit verwundert es nicht, dass auch in der Kategorie der Nahrungsergänzungsmittel passende Produkte zu finden sind: die Probiotika.

Was sind Probiotika?

Der Begriff Probiotika kann sowohl das Präparat also auch dessen Inhalt beschreiben. Einer Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge sind Probiotika lebende Mikroorganismen, die, wenn sie in einer bestimmten Menge eingenommen werden, einen gesundheitlichen Nutzen versprechen.

Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) hat 1997 Probiotika als lebende Mikroorganismen bezeichnet, die, sofern sie in ausreichender Menge und in aktiver Form den Darm erreichen, positive gesundheitliche Wirkungen erzeugen. Darüber hinaus sind probiotische Lebensmittel dem Institut zufolge Nahrungsmittel, die genügend Probiotika beinhalten, um probiotische Wirkungen erzielen zu können. Den Definitionen zufolge sind Probiotika also Nahrungsergänzungsmittel, die gute Mikroorganismen enthalten, welche positive Wirkungen im Darm erzielen.

Wie wirken diese Mikroorganismen?

Um zu verstehen, wie diese Mikroorganismen wirken, ist es wichtig, sich etwas mit dem Körper und speziell dem Darm auseinanderzusetzen. Tatsächlich leben im Körper Hundertbillionen von guten Bakterien, die zahlreiche Aufgaben im Körper übernehmen. Sie bilden das Mikrobiom und haben unter anderem Einfluss auf Stoffwechsel- sowie Zellfunktionen, behindern die Ansiedlung von krankmachenden Bakterien und tragen zur Produktion entzündungshemmender Botenstoffe bei. Die Besiedelung mit guten Bakterien startet während der Schwangerschaft und ist ab dem achten Lebensjahr stabil.

Allerdings können äußere Einflüsse wie Antibiotika, eine ungesunde Ernährung und Stress genügend gute Bakterien abtöten, um das gesamte Mikrobiom in Ungleichgewicht zu bringen. Dieses Ungleichgewicht zwischen guten und ebenfalls vorhandenen schädlichen Mikroorganismen ist auch als Dysbiose bekannt, die Theorien zufolge mit unterschiedlichen Beschwerden in Verbindung steht. Dazu gehören Asthma, Neurodermitis, Schlafprobleme, Verdauungsprobleme, chronisch entzündliche Darmerkrankungen und neurologische Erkrankungen.

Der Zweck von Probiotika ist also, das Mikrobiom wieder ins Gleichgewicht zu bringen, da angenommen wird, dass sich dadurch vorhandene Beschwerden verringern. Diese Aufgabe sollen die Präparate erledigen, indem sie Bakterienstämme hinzufügen, die die körpereigenen Bakterien unterstützen.

darstellung der darmflora dreigeteilt in geschädigt, heilend und gesund, zufuehrung von mikroorganismen durch probiotika
Probiotika können dabei helfen, eine löchrige Darmbarriere zu stabilisieren.

Dabei kann die Einnahme von Probiotika helfen

Dass das Mikrobiom den Körper auf zahlreiche Arten beeinflusst, ist in der Forschung ein großes Thema und die Basis zahlreicher Forschungsarbeiten. Auch Möglichkeiten, bestimmte körperliche Beschwerden mit zugeführten Bakterienstämmen zu verringern, sind Teil der Forschung. Allerdings sind die genauen Zusammenhänge wissenschaftlich noch nicht genau geklärt, wodurch auch die Einnahme von Probiotika keine Verbesserungen der Probleme garantiert. Sie könne aber Verdauungsprobleme wie Blähungen und Verstopfungen reduzieren.

Da die Darmflora zudem mit dem Immunsystem im Zusammenhang steht, stärken Probiotika potenziell die immunologischen Prozesse und reduzieren so die Chance, an Infekten, Erkältungen und Grippe zu erkranken. In der Theorie könnten sich Probiotika auf viele Beschwerden positiv auswirken, die durch eine Störung der körpereigenen Abwehr hervorgerufen werden. Dazu gehören etwa Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten, bei denen der Körper auf ungefährliche Substanzen reagiert, und chronisch-entzündliche Hauterkrankungen wie Psoriasis, bei denen das Immunsystem gesunde Zellen angreift.

Falls Ihre Darmflora durch eine Antibiotikatherapie, Schmerzmittel oder entzündungshemmende Medikamente geschädigt ist, können Probiotika die nötigen Bakterien liefern, um sie wieder aufzubauen.

Weiterhin gibt es Studien, die auf die Existenz der sogenannten Darm-Hirn-Achse hindeuten, über die Darm und Gehirn in permanentem Kontakt stehen. Möglicherweise beeinflusst der Darm Gehirnbereiche, die mit Sättigung, Emotionen und kognitiven Fähigkeiten zu tun haben. Nimmt der Darm Einfluss auf Appetit und Sättigung, können Probiotika beim Gewichtsverlust behilflich sein. Die Annahme, Probiotika helfen bei neurologischen und psychischen Zuständen, basiert ebenfalls auf der Theorie der Darm-Hirn-Achse. Die Zuführung guter Bakterien könnte zum Beispiel Stress reduzieren.

Psychobiotische Ernährung

Lebende Mikroorganismen, die sich positiv auf die Psyche auswirken sollen, sind als Psychobiotika bekannt. Im Rahmen einer irischen Studie über den Zusammenhang zwischen Stress und der Darmflora wurde eine sogenannte psychobiotische Ernährung entwickelt. Sie setzt sich aus sechs bis acht Portionen ballaststoffhaltigem Obst und Gemüse, fünf bis acht Portionen Getreide, zwei bis drei Portionen Fermentiertes sowie wöchentlich drei bis vier Portionen Hülsenfrüchte zusammen. Die ForscherInnen konnten eine Stressreduktion bei den ProbandInnen ermitteln.

Mögliche Probleme

Zwar gibt es sehr viele Forschungsarbeiten zum Mikrobiom und die Wirkungen von bestimmten Bakterienstämmen auf verschiedene Beschwerden, doch es gibt keine standardisierte Zusammensetzung oder Dosierung für spezifische Beschwerden. Als VerbraucherIn richtet man sich an die Dosierungsempfehlung und muss sich darauf verlassen, dass sich die gewählte Zusammensetzung positiv auf das körperliche Befinden auswirkt. Da jede Darmflora individuell ist, kann das Präparat effektiv sein und Sie fühlen sich nach der Einnahme besser – oder nicht. Es gibt keine Garantie, dass die bestimmte Zusammensetzung in den empfohlenen Mengen tatsächlich die gewünschten Verbesserungen herbeiführt.

In der Regel sind Probiotika gut verträglich. Falls Sie aber ein Probiotikum während einer Medikamententherapie einnehmen möchten, lohnt sich ein Besuch bei der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt, um abzuklären, ob sich die beiden Mittel vertragen. Weiterhin ist der Besuch sinnvoll, wenn Sie an einer chronischen Krankheit leiden oder schwanger sind. Im Allgemeinen eignen sich Probiotika aber auch für die Einnahme während der Schwangerschaft und in der Stillzeit. Möchten Sie Ihrem Kind ein Probiotikum verabreichen, empfiehlt sich ebenfalls eine ärztliche Absprache, um den potenziellen Nutzen zu ermitteln und mögliche Unverträglichkeitsreaktionen zu vermeiden.

Selbst wenn Sie das Produkt vertragen, kann es zunächst zu einer Erstverschlimmerung Ihrer Symptome kommen, bevor sich Besserungen einstellen. Typisch sind Blähungen, Durchfall und Verstopfung. Erst wenn die Beschwerden länger als zwei Wochen bestehen bleiben, besteht Grund zur Sorge. Dann kann es sich um eine Unverträglichkeitsreaktion handeln und sie sollten mit der Einnahme stoppen.

Darauf kommt es beim Kauf an

Bei der Wahl des passenden Probiotikums ist es wichtig, dass die darin befindlichen Bakterien auch in großer Anzahl bis zum Darm überleben. Sofern die Herstellung in Deutschland erfolgte, können Sie sich sicher sein, dass deren Einnahme unbedenklich ist.

Darreichungsform

Probiotische Nahrungsergänzungsmittel finden sich am häufigsten in Form von Kapseln wieder. Daneben gibt es Probiotika in Tabletten-, Pulver- und flüssiger Form. Hinzu kommen Fruchtgummis, die anstelle einer Mischung aber oft nur einen Bakterienstrang beinhalten. Sie dienen eher als Ergänzung zu klassischen Probiotika aus mehreren Bakterienstämmen.

Kapseln

Bei Probiotika in Kapselform sorgt eine spezielle Mikroverkapselung dafür, dass die Bakterien nicht durch Magensäure Schaden nehmen. Die Verkapselung kann sowohl tierischen als auch pflanzlichen Ursprungs sein. Einige Produkte sollten zwar kühl gelagert werden, doch mittlerweile gibt es auch genügend Präparate, die dank Gefriertrocknung der Bakterien sowie einer besonderen Versiegelung ungekühlt bleiben können. Produkte auf Sporenbasis erfordern keine spezielle Lagerung.

Tabletten

Probiotika in Form von Tabletten haben bei der Herstellung ein Problem: Es ist schwieriger, das Überleben der Bakterien zu garantieren. Die Inhaltsstoffe müssen verdichtet und in die typische Tablettenform komprimiert werden, was die Mikroorganismen allerdings nur schlecht vertragen. Zudem ist die Zugabe von Füllmitteln erforderlich, damit die Tabletten ihre Form behalten. Dafür ist keine Kühlung erforderlich. Zudem lassen sich Tabletten leichter als Kapseln schlucken

person im prozess, eine tablette mit wasser einzunehmen
Solange die Mikroorganismen überleben, sind auch Probiotika in Tablettenform eine Option.
Pulver

Im Gegensatz zu Kapseln oder Tabletten ermöglichen Pulver eine individuelle Dosierung. Sie können eine geringe Menge wählen, um sich an das Probiotikum zu gewöhnen, und sich nach und nach an die empfohlene Dosis herantasten. Praktischerweise können Sie das Pulver auch mit Lebensmitteln mischen, etwa in Joghurt rühren. Gegen Magensäure sind die Bakterien im Pulver allerdings nicht speziell geschützt.

Flüssigkeit

Flüssige Probiotika enthalten neben Probiotika oft auch verschiedene Fermente, darunter Frucht-, Kräuter- oder Heilpflanzenextrakte. In einigen Fällen kommen sogar Extrakte von Heilpilzen und Traubenkern hinzu. Sie sollen den Bakterien dabei helfen, das optimale Darmmilieu zu schaffen. Zudem sollen die Substanzen selbst verschiedene positive Effekte auf den Körper haben. OPC (Oligomere Proanthocyanide) aus Taubenkernextrakt wirkt zum Beispiel antioxidativ und soll das Infektionsrisiko senken.

Klassische oder sporenbasierte Probiotika?

Die Bakterienstämme, die meistens in Probiotika zum Einsatz kommen, gesellen sich im Darm zur bereits vorhandenen Population und vermehren sich dort, sodass stabile Populationen entstehen und das Darmmilieu wieder ins Gleichgewicht kommt. Sie sind nicht von Natur aus resistent gegen Magensäure, Verdauungsenzyme oder Gallensäure und können ohne künstlichen Schutz nicht unbeschadet zum Darm gelangen.

Bakterien auf Sporenbasis verhalten sich anders. Sie sind von einer Spore umgeben, die sie auf natürliche Weise schützt und in der sie bis zur Ankunft im Darm inaktiv bleiben. Im Dickdarm angekommen keimen und vermehren sich die Bakterien nach kurzer Zeit. Nach etwa 28 Tagen werden die Bakteriensporen ausgeschieden. In der Zeit scheinen die Bakterien dazu in der Lage zu sein, nützliche Mikroorganismen zu ermitteln und ihr Wachstum zu fördern.

Dank des Sporenschutzes sind sie nicht nur vor der rauen Magenumgebung sicher, sondern auch hitze- und lichtbeständig sowie lagerstabil. Da Sporenbakterien erst im Dickdarm keimen, lassen sie sich ebenfalls nutzen, wenn Sie an einer bakteriellen Überbesiedelung des Dünndarms leiden.

Sporenbasierte Bakterien sind in puncto Überlebensfähigkeit deutlich besser dargestellt als klassische probiotische Bakterienstämme. Sie sind sogar gegen viele Antibiotika resistent. Allerdings kann diese Robustheit auch das Ausspülen aus dem Körper erschweren. Bei traditionellen Probiotika besteht das Problem nicht. Zudem sind traditionelle Probiotika umfangreicher erforscht als sporenbasierte und kommen weitaus häufiger in Nahrungsergänzungsmitteln vor.

Art und Anzahl der Bakterienkulturen

Bei der Frage, wie viele Bakterien in einem Präparat enthalten sein sollen, spielt die Anzahl der Milliarden koloniebildenden Einheiten (KBE) pro Tagesdosis eine Rolle. Mit koloniebildenden Einheiten sind lebende Bakterien gemeint, sie sich vermehren können. Bei Kapselprodukten sind es oft zwischen 20 und 30 Milliarden KBE pro Tag. Möglich sind aber auch Dosierungen von 10 Milliarden oder mehr als 50 Milliarden. Da es keine standardisierten Empfehlungen gibt, welche Dosis sich für welche Beschwerden eignet, lässt sich nicht sagen welche Anzahl von KBE für Sie am sinnvollsten ist. Auch wenn es um die Anzahl unterschiedlicher Bakterienstämme geht, gibt es von Produkt zu Produkt große Unterschiede. Es gibt einige mit lediglich einem Stamm oder zwei Stämmen sowie solche mit mehr als 30. Da die Darmflora aus mehr als 200 verschiedenen Stämmen besteht, ist es durchaus sinnvoll, wenn das Präparat ebenfalls eine vielfältige Auswahl von Bakterienstämmen hat. Es gibt einige Bakterienstämme, die als besonders nützlich gelten und am häufigsten in Präparaten zum Einsatz kommen.

Mikrorganismen im darm visualisiert
Eine gesunde Darmflora enthält sehr viele unterschiedliche Bakterienstämme.
Die bekanntesten Bakterienkulturen

Bakterienkulturen, die in den meisten Probiotika vorkommen, gehören meist zur Kategorie der Milchsäurebakterien, also der Lactobakterien, und der Bifidobakterien. Beide kommen in großen Anteilen im Darm vor und übernehmen verschiedene Aufgaben. Eine der wichtigsten ist das Behindern schädlicher Bakterien und Krankheitserreger. Bifidobakterien wandeln hierfür Glucose zu Milchsäure um und senken so den pH-Wert im Dickdarm. Krankheitserreger wie Salmonellen oder Kolibakterien vertragen das saure Milieu nur schlecht.

Zudem produzieren Bifidobakterien ein Toxin, das die Vermehrung gesundheitsschädigender Darmbakterien hemmt. Weitere mögliche Aufgaben von Bifidobakterien umfassen die Minderung von Reizdarmsyndrom, den Schutz gegen Scheideninfektionen sowie die Unterstützung des Immunsystems. Zu den typischen Bifidobakterien in Probiotika gehören folgende:

  • Bifidobacterium bifidum
  • Bifidobacterium longum
  • Bifidobacterium breve
  • Bifidobacterium infantis

Zu den Milchsäurebakterien in probiotischen Nahrungsergänzungsmitteln zählen oft diese:

  • Lactobacillus casei
  • Lactobacillus acidophilus
  • Lacotbacillus rhamnosus
  • lactobacillus johnsonii
  • Lactobacillus plantarum
  • Lactobacillus reuteri

Neben dem Kampf gegen schädliche Mikroorganismen sollen Milchsäurebakterien auch die Barrierefunktion der Darmschleimhaut stärken und die Bioverfügbarkeit von Lebensmitteln erhöhen können. Letzteres führt zu einer erhöhten Nährstoffaufnahme. Wie auch die Bifidobakterien sollen sie eine positive Wirkung auf das Immunsystem haben und vor Scheideninfektionen schützen. Des Weiteren werden den einzelnen Stämmen spezifische Wirkungen nachgesagt. Lactobacillus reuteri soll zum Beispiel Zahnbelag und Zahnfleischentzündungen reduzieren, während Bifidobakterium Longum unter anderem in der Lage sein soll, Giftstoffe zu neutralisieren.

Oft kommen die Hefe Saccharomyces boulardii und die Bakterienart Streptococcus thermophilus hinzu. Diese Hefe soll gegen verschiedene Arten von Durchfall helfen, darunter akute und ernährungsbedingte Ausprägungen sowie Reisedurchfall. Sie soll schädliche Mikroorganismen und bakterielle Giftstoffe im Darm binden.

Da Streptococcus thermophilus dazu in der Lage ist, Laktase zu produzieren, soll die Einnahme dieses Bakterienstamms die Symptome von Laktoseintoleranz lindern. Des Weiteren soll die Mikrobe Substanzen und bakterizide Proteine produzieren, die die Chance von Infektionen durch schädliche Mikroorganismen verringern können.

Sporenbildende Bakterien

Bakterien auf Sporenbasis sind in Produktbeschreibungen daran erkennbar, dass sie mit dem Wort „Bacillus“ beginnen. Tatsächlich gibt es aber nur drei Arten, die bei Probiotika zum Einsatz kommen: Bacillus subtilis HU58, Bacillus coagulans SC208 und Bacillus clausii SC109. Diese drei Bakterienstämme gelten als sicher.

grafisches element des bacillus subtilis

Bacillus subtilis

Dieser Stamm wurde erstmals in an der Royal Holloway University umfassend erforscht. Er soll bei Verdauungsstörungen, Durchfall aufgrund von Antibiotika, Colitis ulcerosa sowie Infektionen des Harnwegs und der Scheide helfen. Eine Studie aus dem Jahr 2015 besagt auch, dass sich die Bakterienart positiv auf das Immunsystem älterer Menschen auswirken kann. Zudem vertrage der Stamm hohe Temperaturen, Antibiotika sowie die Magenumgebung.

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Bacillus coagulans

Bacillus coagulans ist dazu in der Lage, Milchsäure zu produzieren, weshalb es auch als Lactobacillus Sprogenes bekannt ist. Aufgrund der sporenbildenden Eigenschaft ist eine Einstufung als Laktobazillus nicht zutreffend. Der Bakterien stamm soll die Symptome von Reizdarm lindern können, darunter Bauchschmerzen, Durchfall und Verstopfung. Des Weiteren ermittelte eine Studie aus dem Jahr 2010 Vorteile für Personen, deren Bewegung durch rheumatoide Arthritis eingeschränkt ist.

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Bacillus clausii

Wie die anderen sporenbasierten Bakterienstämme übersteht Bacillus Clausi die Magenumgebung und kann seine Wirkung im Darm entfalten. Er vertrage sogar Antibiotika. Der Bakterienstamm soll bei akutem Durchfall helfen. Es gibt verschiedene Studien zur Wirkung bei betroffenen Kindern, die in einem Artikel von 2018 zusammengefasst und systematisch reviewt wurden. Demzufolge kann der Stamm positive Wirkungen erzielen, doch die Studienlage erlaubte keine definitive Aussage.

Weitere Inhaltsstoffe

Neben den Bakterienkulturen enthalten viele Probiotika noch ein sogenanntes Präbiotikum. Dabei handelt es sich um Ballaststoffe, also Lebensmittelbestandteile, die der Körper nicht verdauen kann und die den Bakterien als Nahrungsmittel dienen. Typisch sind Inulin, Fructo-Oligosaccharide, Flohsamen, Akazienfasern und Baobab. Flohsamen sind aber nicht ideal, da es sich um ein Abführmittel handelt, das die Nährstoffe schnell aus den Körper ausspült.

Einige Produkte enthalten mittlerweile auch zugesetzte Postbiotika. Das sind Stoffwechselprodukte von Bakterien, die dabei helfen sollen, die Darmzellen wieder aufzubauen und zu regenerieren. Dazu gehören kurzkettige Fettsäuren wie Buttersäure, Propionsäure und Essigsäure.

Das Probiotikum sollte keine unnatürlichen Zusatzstoffe wie Farb- und Aromastoffe, gentechnisch veränderte oder allergieauslösende Stoffe enthalten. Auch Zucker oder Süßstoffe sind idealerweise nicht zugesetzt. Diese findet man vor allem in Fruchtgummis oder flüssigen Produkten, die oft mit Kräuter- und Fruchtextrakten versetzt sind.

Falls Sie vegetarisch oder vegan leben, ist noch zu beachten, dass die säureresistenten Kapseln, die die Bakterien bis zum Wirkungsort schützen, nicht aus tierischen Bestandteilen bestehen. Bei Bakterien auf Sporenbasis ist eine solche künstliche Umhüllung nicht nötig.

Preis und Portionierung

Eine Packung Probiotika ist in der Regel für ein bis drei Monate ausgelegt. Handelt es sich um Kapseln, beträgt die Anzahl zwischen 60 und 180 Stück. Sie müssen aber immer auf die Anwendungshinweise schauen: Bei manchen Produkten genügt eine Kapsel pro Tag, andere erfordern zwei bis drei Kapseln. Ein Probiotikum mit 180 Kapseln kann also je nach Hersteller für zwei oder drei Monate genügen, einer 60er-Packung für ein bis zwei Monate. Probiotika in flüssiger Form fassen meist 500 Milliliter und reichen für einen Monat.

person schuettet probiotika aus verpackung auf die hand
In diesen Behälter passen genug Kapseln für drei Monate.

Die durchschnittlichen Preise pro Produkt liegen oft in einem Bereich zwischen 20 und 40 Euro. Sie sind aber immer in Relation zum Inhalt zu sehen. Es gibt sowohl drei Monatsvorräte für 25 Euro als auch einen Monatsvorrat für 35 Euro. Handelt es sich um ein Produkt auf Sporenbasis, ist es in der Regel teurer als ein solches aus herkömmlichen Bakterienstämmen.

Je nach Produkt und Dauer der Einnahmezeit kann die Versorgung mit Probiotika sehr teuer werden. Hersteller geben oft an, dass erst nach ein bis drei Monaten eine spürbare Wirkung eintritt. So viel Zeit sollte demzufolge für das Testen des Probiotikums in Anspruch genommen werden. Kaufen Sie eine Drei-Monatspackung für 40 Euro, kommen Sie natürlich besser weg, als wenn Sie drei Monatspackungen für jeweils 40 Euro kaufen. Insbesondere dann, wenn Sie das Produkt längerfristig einnehmen, ist es sinnvoll, das Kosten-Nutzen-Verhältnis abzuwägen.

Weiterführende Testberichte

Achtung: Hierbei handelte sich um einen Vergleich. Wir haben die Probiotika nicht selbst getestet.

Die Wirkung von Probiotika zu testen, ist auch für renommierte Testmagazine und -organisationen kein Leichtes. Die Stiftung Warentest hat zwar eine Kategorie für Medikamente, die gegen verschiedene Beschwerden helfen können, aber einen großen Vergleichstest von Probiotika gibt es bislang nicht. Um zu ermitteln, welche Mittel gegen Reizdarmbeschwerden helfen können, testete die Organisation jedoch 17 Präparate, von denen drei Probiotika enthielten.

Die Reizdarm Kapseln und die Reizdarm PRO Kapseln von KIJIMEA enthalten Bifidobakterien, während SYMBIOFLOR 2 Suspension Escherichia-coli-Bakterien beinhalten. Nur die KIJIMEA Reizdarm PRO Kapseln empfanden die TesterInnen als „mit Einschränkung geeignet“, wünschten sich aber weitere Studien, um sowohl die kurzfristigen als auch die langfristigen Effekte besser bewerten zu können. Bei den anderen beiden Produkten sei die therapeutische Wirksamkeit nicht genügend nachgewiesen, um die Produkte bei Reizdarm zu empfehlen. Daher erhielten sie die Wertung „wenig geeignet“.

Auch in der Kategorie der medizinischen Produkte zur Linderung von Durchfall wurden Probiotika unter die Lupe genommen. Präparate wie PEROCUR oder YOMOGI 250 mg Hartkapseln nutzen Trockenhefe aus Saccharomyces boulardii. Der Stiftung Warentest zufolge ist der Wirkstoff bei akutem Durchfall „mit Einschränkung geeignet“. Zwar gebe es Hinweise auf die Wirksamkeit bei Durchfall und zur Vorbeugung gegen Reisedurchfall, aber sie sollte besser belegt werden.


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