Outdoor-Smartphone Kaufberatung: So wählen sie das richtige Produkt

  • Das Wichtigste in Kürze
  • Ein Outdoor-Smartphone ist ein robustes, staub- und wasserdichtes Handy
  • Es ist der ideale Begleiter für einen längeren Ausflug in die Natur
  • Ein solches Smartphone eignet sich besonders für HandwerkerInnen und BauarbeiterInnen
  • Wer oft im Ausland unterwegs ist, sollte ein Gerät mit Dual-Sim wählen

Ein zuverlässiges Handy für extreme Bedingungen

Viele Smartphones nehmen schon beim Herunterfallen auf den Gehweg erheblichen Schaden. Für abenteuerlichere Outdoor-Aktivitäten wie Trekking- oder Kanutouren sind herkömmliche Handys also nicht geeignet. Wer bei solchen Unternehmungen ein robustes und zuverlässiges Gerät dabeihaben möchte, sollte auf ein Outdoor-Smartphone setzen. Es ist besonders widerstandsfähig und trotzt nahezu allen Umwelteinwirkungen.

Zwar sind heutzutage viele handelsübliche Smartphones wasserdicht, bei extremeren Bedingungen gibt aber jedes gewöhnliche Smartphone schnell die Funktion auf. Outdoor-Smartphones sind nicht nur wasserdicht, sondern halten auch Staub ab. Egal wie staubig oder nass es wird – ihnen macht es nicht aus. Viele HandynutzerInnen kennen den Moment, wenn sich an einem sehr heißen oder sehr kalten Tag das Smartphone einfach abschaltet. Auf einer längeren, einsamen Wanderung wäre das besonders ärgerlich. Outdoor-Smartphones sind hitze- und kältebeständig, das heißt, sie kommen mit diesen extremen Temperaturen zurecht. Kurzum: Die robusten Handys garantieren eine ständige Erreichbarkeit.

Outdoor-Smartphone liegt auf dem Boden
Es gibt nur wenig, was einem Outdoor-Smartphone wirklich zu schaffen macht.

Wer braucht ein Outdoor-Smartphone?

Für den alltäglichen Gebrauch ist kein Outdoor-Smartphone notwendig. Viele Geräte sind dafür auch gar nicht geeignet, da ihre Robustheit meist zulasten der normalen Smartphone-Funktionen geht. Hinzu kommt, dass Outdoor-Smartphones oft klobig sind und keine hochwertige Kamera haben. Wer ungeschickt ist und deshalb über eine Anschaffung nachdenkt, sollte lieber zu einer soliden Handyhülle greifen. In der Regel werden Outdoor-Smartphones als Zusatzgerät zu einem herkömmlichen Handy gekauft.

Outdoor-Smartphones sind für den Einsatz unter erschwerten Bedingungen konzipiert. Bei Kälte und Hitze, Regen und Sturm müssen sie bedienbar bleiben. Oft kommen einfache Outdoor-Smartphones auf Baustellen zum Einsatz. Neben Staub gibt es dort eine Reihe an Umweltfaktoren, die normalen Handys zu schaffen machen würden. Auf Baustellen werden Outdoor-Smartphones also als Arbeitshandys genutzt. Für alle, die sich beim Sport längere Zeit draußen aufhalten, etwa auf Rad- oder Trekkingtouren, sind Outdoor-Smartphones ebenfalls interessant.

Sehr gute Outdoor-Smartphones, die zum Teil sogar Militärstandard haben, richten sich vor allem an ExtremsportlerInnen und ÜberlebenskünstlerInnen. Sie sind nicht nur äußerst robust und stabil, sondern zeichnen sich auch durch einen großen Funktionsumfang aus, der demjenigen herkömmlicher Smartphones gleicht. Hinzu kommen diverse Survival-Extras, die NutzerInnen im Outdoor-Bereich unterstützen.

Wichtige Kaufkriterien bei Outdoor-Smartphones

Ein gutes Outdoor-Smartphone muss in erster Linie robust sein und selbst bei widrigen Wetterumständen reibungslos funktionieren. Herkömmliche Smartphone-Funktionen oder die Kameraqualität stehen erst an zweiter Stelle.

IP-Schutzklasse

Ein Outdoor-Smartphone muss auch unter extremen Bedingungen funktionieren. Wie robust ein elektronisches Gerät ist, verrät die IP-Schutzklasse. Sie ist daher eines der wichtigsten Kaufkriterien bei Outdoor-Smartphones. IP, kurz für „International Protection“, ist eine international anerkannte Zertifizierung, welche die Widerstandsfähigkeit eines Gerätsgegen Fremdkörper und Wasser einstuft.

Die erste Zahl steht für den Schutz gegen Fremdkörper und Berührung. Dieser Schutz wird in Stufen von 0 bis 6 angegeben. Der Schutz gegen Fremdkörper meint vor allem die Staubdichte, während der Schutz gegen Berührung beurteilt, wie widerstandsfähig das Gerät gegenüber einem Zugang von außen ist. Beide Schutzarten werden mit derselben Ziffer angegeben. Ein Gerät mit einer Null als erste Ziffer ist gar nicht staubdicht und hat keinen Schutz vor Berührung, während eines mit einer Sechs am Anfang vollständig gegen Staub und Berührung geschützt ist.

Erste KennzifferSchutz gegen FremdkörperSchutz gegen Berührung
0Kein SchutzKein Schutz
1Geschützt gegen feste Fremdkörper mit einem Durchmesser ≥ 50 mmGeschützt gegen den Zugang mit dem Handrücken
2Geschützt gegen feste Fremdkörper mit einem Durchmesser ≥ 12,5 mmGeschützt gegen den Zugang mit einem Finger
3Geschützt gegen feste Fremdkörper mit einem Durchmesser ≥ 2,5 mmGeschützt gegen den Zugang mit einem Werkzeug
4Geschützt gegen feste Fremdkörper mit einem Durchmesser ≥ 1,0 mmVollständiger Schutz gegen den Zugang mit einem Draht
5Geschützt gegen Staub in schädigender MengeVollständiger Schutz gegen Berührung
6StaubdichtVollständiger Schutz gegen Berührung
Die erste Ziffer der IP-Schutzart und die jeweilige Bedeutung.

Hinter der zweiten Ziffer verbirgt sich der Schutz vor Wasser. Diese Skala reicht von 0 bis 9. Ein Outdoor-Smartphone mit einer IPx4-Zertifizierung ist zum Beispiel gegen allseitiges Spritzwasser geschützt. Eine Sieben steht für den Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen. Ein Gerät mit einer Acht an zweiter Stelle ist gegen dauerhaftes Untertauchen bis zu einem Meter Tiefe geschützt. Da die IP-Schutzarten immer nur einen Mindeststandard definieren, sollten Sie Details in der Bedienungsanleitung des jeweiligen Handys nachlesen. Außerdem ist zu beachten, dass die IP-Klassen nicht für den Schutz vor Salzwasser gelten.

Grundsätzlich gilt bei der IP-Klasse: Je höher, desto besser. Ein Outdoor-Smartphone sollte mindestens die Schutzklasse IP67 haben. Dann ist es sowohl staubdicht als auch gegen zeitweiliges Untertauchen geschützt.

Zweite KennzifferSchutz gegen Wasser
0Kein Schutz
1Schutz gegen Tropfwasser
2Schutz gegen fallendes Tropfwasser, wenn das Gehäuse bis zu 15 Grad geneigt ist
3Schutz gegen fallendes Sprühwasser bis 60 Grad gegen die Senkrechte
4Schutz gegen allseitiges Spritzwasser
5Schutz gegen Strahlwasser aus beliebigem Winkel
6Schutz gegen starkes Strahlwasser
7Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen
8Schutz gegen dauerndes Untertauchen bis 1 Meter, sofern keine Angabe erfolgt
9Schutz gegen Wasser bei Hochdruck- oder Dampfstrahlreinigung
Die zweite Ziffer der IP-Schutzart und die jeweilige Bedeutung.

Display

In der Regel haben Outdoor-Smartphones etwas kleinere Displays als gewöhnliche Handys. Wer Wert auf ein großes Display legt, sollte beim Kauf also gezielt darauf achten. Da Outdoor-Smartphones oft beim Navigieren zum Einsatz kommen, ist eine hohe Auflösung unerlässlich (HD oder Full HD). Schließlich müssen alle Kartendetails scharf und gut lesbar dargestellt werden. Außerdem muss das Display eine ausreichend starke Hintergrundbeleuchtung haben, sodass auch bei Sonnenschein alles erkennbar ist.

Viele Outdoor-Smartphones haben ein Display aus gehärtetem Spezialglas. Hauptsächlich handelt es sich dabei um das sogenannte Gorilla-Glass. Dieses Glas besteht aus Alkalimetallsilikat, einer Verbindung aus Aluminium, Silizium und Sauerstoff, die für eine besonders hohe Glashärte sorgt – bei einer Glasdicke von nur etwa 1,5 Millimetern. Zusätzlich verleihen chemische Prozesse dem Glas eine besonders hohe Oberflächenspannung. Falls einmal ein Riss entsteht, kann sich dieser kaum ausweiten. Normales Glas bekommt bei einer Drucklast von etwa fünf Newton Risse, bei Gorilla-Glass braucht es circa 40 Newton. Theoretisch hält das Glas sogar Hammerschläge aus, in der Praxis schützt es das Display vor Kratzern und Stößen.

Outdoor-Smartphone Gorilla-Glas
Besonders hartes Spezialglas darf bei einem Outdoor-Smartphone nicht fehlen.

Gewöhnliche Handy-Touchscreens reagieren nur auf leitende Eingabegeräte wie zum Beispiel Finger. Der Fachbegriff dafür ist „kapazitativ“. Bei kapazitativen Touchscreens kann die Eingabe etwa durch Feuchtigkeit gestört werden. Ein Outdoor-Handy muss allerdings auch im Regen bedienbar bleiben. Viele Geräte setzen deshalb auf resistive Touchscreens, die auf Berührung reagieren. Das hat zudem den Vorteil, dass sich das Smartphone mit Handschuhen bedienen lässt.

Akkulaufzeit

Ein starker Akku ist bei Outdoor-Smartphones unverzichtbar, schließlich ist bei einem längeren Aufenthalt in der Natur in der Regel keine Stromquelle auffindbar. Hinzu kommt, dass Outdoor-Smartphones oft zum Navigieren eingesetzt werden – eine Anwendung, die besonders viel Energie verbraucht. Die Akkuleistung wird üblicherweise in Milliamperestunden (mAh) angegeben. Je höher der Wert ist, desto stärker ist der Akku. Ein Akku mit 4.000 mAh hält zwischen 4 und 8 Stunden durch, je nachdem, wie intensiv das Handy genutzt wird. Ausreißer nach oben und unten sind in Sachen Akkulaufzeit natürlich möglich.

Die meisten normalen Smartphones verfügen über eine Akkuleistung zwischen 3.000 und 4.000 mAh. Ein Akku mit 4.000 mAh ist schon ziemlich gut, viele Outdoor-Smartphones bieten allerdings 5.000 mAh und mehr. Für eine ausgedehnte Tagestour mit GPS-Navigation haben sie damit genug Kraft. Bei bewusster Nutzung – zum Beispiel eingeschränktem Internet und Verzicht auf die Kamera – halten gute Outdoor-Handys auch mehrere Tage durch. Im Gegensatz zu den meisten normalen Handys lassen sich bei vielen Outdoor-Smartphones die Akkus herausnehmen und wechseln. Wer einen weiteren geladenen Akku im Gepäck mitführt, kann also einfach wechseln.

Speicherplatz

Auch die Größe des Speichers sollte beim Kauf eines Outdoor-Smartphones nicht außer Acht gelassen werden. Zwar werden viele gängige Apps – allen voran Social-Media-Anwendungen – wahrscheinlich nicht auf einem solchen Handy installiert, der Speicherplatz wird dennoch für etwas anderes benötigt, nämlich Kartenmaterial. Wenn sich die Daten für die Navigation nicht online abrufen lassen, ist es von Vorteil, die Karten offline auf dem Smartphone gespeichert zu haben.

Viele Outdoor-Handys haben einen internen Speicher von 64 Gigabyte. Das ist zwar ganz ordentlich, doch normale Smartphones haben mittlerweile oft mehr. In vielen Fällen ist mit den 64 Gigabyte gut auszukommen, da die meisten Outdoor-Smartphone-NutzerInnen wie erwähnt nur wenige Apps auf ihrem Gerät installieren. Dennoch ist es immer besser, möglichst viel Speicherplatz zur Verfügung zu haben. Bei den meisten Outdoor-Smartphones lässt sich der Speicher einfach mittels einer austauschbaren Micro-SD-Karte erweitern. ExpertInnen speichern Kartenmaterial je nach Region auf verschiedenen Speicherkarten.

Kamera

Fotoausrüstung ist schwer, weshalb viele Reisende davon absehen. Dennoch will kaum jemand darauf verzichten, beeindruckende Landschaften als Foto festzuhalten – praktisch, wenn auch das Handy gute Fotos schießt. Leider ist gerade das bei vielen Outdoor-Smartphones nicht der Fall. Viele Modelle verfügen lediglich über eine Kamera mit fünf Megapixeln. Damit lassen sich nach modernen Standards keine vorzeigbaren Fotos schießen. Zum Vergleich: Schon Mittelklasse Handys sind oft mit Kameras ausgerüstet, die über 64 Megapixel verfügen. Die Mindestauflösung, um Berge, Wälder und Seen gebührend festzuhalten, liegt zwischen acht und zwölf Megapixeln. Einen Vorteil haben Outdoor-Smartphones hier allerdings gegenüber normalen Handys: Dank der Wasserdichtheit lassen sich auch im strömenden Regen und sogar unter Wasser Bilder machen.

Mann schiesst Foto von See und Bergen
Die Kameras vieler Outdoor-Smartphones lassen in Sachen Bildqualität zu wünschen übrig.

Zweite Sim-Karte

Zwei Sim-Karten in einem Telefon, das ist der große Vorteil von Dual-Sim. Auf diese Weise lassen sich zwei unterschiedliche Tarife oder Netze nutzen. Gerade Letzteres ist für Outdoor-Handy-NutzerInnen relevant, die sich oft in sehr ländlichen und abgelegenen Gegenden aufhalten, in denen es kein flächendeckend ausgebautes Netz gibt. Mit Dual-Sim lässt sich einfach zwischen Anbietern hin und herwechseln und so die Erreichbarkeit verbessern. Wer oft im Ausland unterwegs ist, kann parallel eine heimische und eine ausländische Sim-Karte verwenden.

Extras und weitere Funktionen

Ein gutes Outdoor-Smartphone ist ein wahres Multifunktionsgerät. Zu den üblichen Extras zählen zum Beispiel eine integrierte LED-Lampe, ein eingebautes Barometer oder Thermometer, ein Kompass sowie eine Wärmebildkamera. Um bei Wind und Wetter telefonieren zu können, sind viele Outdoor-Handys mit Mikrofonen samt Geräuschunterdrückung und hochwertigen Lautsprechern ausgerüstet.

Viele Outdoor-Smartphones lassen sich auch als Funkgeräte beziehungsweise Walkie-Talkies benutzen. Ein weiteres Indiz für ein hochwertiges Gerät ist die Möglichkeit, eine GPS-Antenne nachzurüsten, um die Navigation zu verbessern. Praktisch ist auch ein aufsteckbares AkkuPack, mit dem sich die Akkulaufzeit des Handys verlängern lässt.

Keine Outdoor-Handys von Apple

Aktuell gibt es auf dem Markt nur Outdoor-Handys mit dem Betriebssystem Android. Allerdings sind nicht alle Geräte mit der neuesten Version ausgestattet. Das kann ein Sicherheitsrisiko sein. Achten Sie deshalb darauf, dass auf dem Smartphone die aktuelle Version von Android installiert ist. Ein Outdoor-iPhone hat Apple bisher nicht vorgestellt.

Wie viel kostet ein Outdoor-Smartphone

Auch der Preis spielt bei der Anschaffung eine wichtige Rolle. Günstige Outdoor-Handys sind im Handel bereits ab etwa 30 Euro erhältlich. Dabei handelt es sich aber nicht um Smartphones, sondern um klassische, besonders robuste Mobiltelefone. Sie weisen daher keine Smartphone-Funktionen auf. Für Puristen, die zum Beispiel auf Handy-Navigation verzichten können, sind diese Handys aber gut geeignet, denn Outdoor-Aktivitäten überstehen sie zuverlässig. Vorteilhaft ist weiterhin der sehr geringe Akkuverbrauch. Unter Umständen kann es sinnvoll sein, neben einem Outdoor-Smartphone auch ein solches günstiges Handy als Backup mitzunehmen.

Richtige Outdoor-Smartphones gibt es erst ab etwa 200 Euro. Im Preisrahmen bis 500 Euro sind viele sehr gute Mittelklasse-Geräte mit IP-zertifizierung zu finden. Sie sind robust sowie gegen Wasser, Staub und Stöße geschützt. Auch Gorilla-Glass ist in dieser Preiskategorie Standard. Neben Smartphone-Funktionen sind die Geräte auch mit speziellen OutdoorFeatures ausgestattet. In Sachen Rechenpower sind sie aber oft nicht vergleichbar mit herkömmlichen Smartphone