Seniorenhandy-Kaufberatung: So wählen Sie das richtige Produkt

  • Das Wichtigste in Kürze
  • Senioren haben in puncto Telefonie andere Bedürfnisse als junge Menschen. Smartphones mit Touch-Displays sind hier meist fehl am Platz; es bieten sich Handys mit großen, rutschfesten Tasten und einem gut lesbaren Display an.
  • Die vergleichsweise einfache Bedienbarkeit eines Seniorenhandys macht es einem älteren Menschen leicht, das Gerät zu nutzen.
  • Seniorenhandys verfügen in der Regel über eine spezielle Notruf-Funktion. Für Personen, die nicht mehr sicher auf den Beinen oder dement sind, bietet sich diese besonders an. Bei Notfällen verständigt der Nutzer mit ihr Angehörige, Pfleger oder den Rettungsdienst per Knopfdruck. Im Falle eines Sturzes erfolgt automatisch ein Notrufsignal.

Was sind Seniorenhandys?

Handys sind aus der heutigen Zeit kaum noch wegzudenken. Junge Menschen sind mit den Geräten groß geworden und nutzen diese selbstverständlich und nahezu überall. Es genügt ein Blick auf die Straße oder in Bus und Bahn, um diese These zu untermauern. Sie checken auf ihnen ihre Mails, hören mit ihnen Musik oder verwenden sie als Navigationsgeräte.

Für viele Senioren gehören Handys hingegen nicht zum Alltag. Sie scheuen sich davor, die kleinen, komplizierten Geräte in die Hand zu nehmen und auszuprobieren.

Seniorenhandy

In der Tat ist die Bedienbarkeit von Handys nicht für ältere Menschen ausgelegt. Oft sind die Tasten zu klein und rutschig, und die vielen Menüpunkte und Funktionen können unerfahrene Nutzer ein wenig verwirren. Und besonders schwierig wird es Senioren bei Touch-Displays.

Doch die Hersteller haben reagiert und inzwischen eine Vielzahl an Geräten entwickelt, die auf die Bedürfnisse dieser Nutzergruppe abgestimmt sind.

Was zeichnet Seniorenhandys aus?

Seniorenhandys sind klar von Senioren-Smartphones abzugrenzen. Während es sich bei Letzteren um einfach zu bedienende Smartphones mit extra großem Display oder besonders lauten Klingeltönen handelt, die aber trotzdem über einen Touch-Screen und App-Funktionalität verfügen, beschränken sich Seniorenhandys aufs Wesentliche. Sie ähneln damit eher kabellosen Festnetz-Telefonen, deren Bedienung Senioren in der Regel gewohnt sind.

Einfache Bedienung durch große, gut ablesbare Tasten

Diese Telefone verfügen über besonders große Tasten, mit denen der Nutzer Einstellungen vornimmt oder Telefonnummern wählt. Das ist den meisten älteren Nutzern viel vertrauter als die neuartige Bedienung per Touch-Display. Auch Nutzern mit eingeschränkter Feinmotorik bereitet die Bedienung dieser Geräte daher weniger Probleme.

Einige Geräte aus dieser Kategorie haben neben den Nummerntasten auch Direktwahltasten, das heißt Tasten, die einen voreingestellten Kontakt direkt anrufen. Auch Extra-Funktionen, wie eine Taschenlampe für die Orientierung bei Dunkelheit oder eine Kamera für Schnappschüsse, sind durch bebilderte Extra-Tasten einfacher zu finden.

Einfaches Ablesen auf großem Display

Das groß gehaltene Display liest der Nutzer im Idealfall auch bei eingeschränkter Sehkraft ohne größere Probleme ab. Matte und kostrastreiche Anzeigen ermöglichen ihm die Bedienung sogar bei starker Sonneneinstrahlung, etwa während eines Spazierganges an einem sonnigen Tag.

Das Display hat im Idealfall eine Diagonale von mindestens vier Zoll. Das, was auf der Anzeige erscheint, ist also deutlich einfacher zu erkennen als bei Displays in Standardgröße.

Intelligente Hör-Unterstützung

Des Weiteren sind für diese Nutzergruppe deutlich vernehmbare Klingeltöne und eine angemessene Gesprächslautstärke wichtig. Ältere Menschen haben im Übrigen vielfach ein Problem mit der Wahrnehmung hoher Frequenzen, eine sogenannte Hochtonschwerhörigkeit. Einige Geräte verstärken deshalb diese hohen Frequenzbereiche, um Betroffenen das Telefonieren zu vereinfachen.

Im Idealfall sind die Geräte darüber hinaus hörgerätekompatibel. Hier ist es wichtig zu wissen, ob es sich um ein analoges oder ein digitales Hörgerät handelt. Nutzer eines analogen Hörgerätes achten bei der Wahl des Seniorenhandys daher auf die Hörgeräte-Kompatibilität („HAC“-Kompatibilität).

Hörgerätekompatibilität

Hörgerätekompatibilität, auch HAC (Hearing Aid Compatibility) ) gibt an, ob ein Telefon kompatibel mit analogen Hörgeräten ist. Ist ein Handy kompatibel, werden Rausch- und Brummtöne herausgefiltert. Leider handelt es sich hierbei nicht um ein offizielles Siegel, sondern lediglich um ein Versprechen des Herstellers, das Gerät so konstruiert zu haben, dass es zu keinen Störgeräuschen kommt.

Nutzer digitaler Hörgeräte müssen nicht auf einen solchen Hinweis achten – diese Probleme treten hier nicht auf.

Einfache Bedienung

Ebenso wichtig sind ein betont übersichtlicher Menüaufbau und somit eine einfache Navigation. Ältere Menschen sind mit der Bedienung nicht intuitiv vertraut wie die Generation, die mit Smartphones und Tablets aufgewachsen ist. Während Nutzer bei einigen Modellen durch textbasierte Menüs navigieren, haben andere Hersteller den einzelnen Menüpunkten gut zu erkennende Grafiken zugeordnet.

Einige Hersteller haben auf häufige Probleme bei der Bedienung reagiert und bieten neben dem normalen Themenmenü eine Navigation mit expliziten Erläuterungen an. Menüpunkte heißen dann nicht etwa „Kurzmitteilungen“, sondern „Eine Nachricht schreiben“.

Verständliche Schritt-für-Schritt-Bedienungsanleitung

Ein Seniorenhandy sollte eine Gebrauchsanweisung in gut erkennbarer Schriftgröße haben, die verständlich verfasst beziehungsweise übersetzt wurde. Diese sollte Schritt-für-Schritt-Anleitungen zur Inbetriebnahme enthalten. Oftmals liefern die Hersteller dieser Geräte aber nur kleine Faltanleitungen mit, die selbst mit Sehhilfe schwer zu lesen sind. In manchen Fällen liegen sie zudem ausschließlich in englischer Sprache vor, der viele ältere Menschen kaum oder gar nicht mächtig sind. 

Größtmögliche Akkulaufzeit

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Akkulaufzeit. Diese sollte möglichst hoch ausfallen, damit das Handy zuhause und unterwegs stets nutzbar ist; auch wenn einmal das Aufladen vergessen wurde. Gerade Menschen im höheren Alter müssen immer die Möglichkeit haben, im Ernstfall einen Notruf zu tätigen.

Aufladen durch Dockingstation deutlich vereinfacht

Deshalb sollte das Aufladen sehr einfach funktionieren. Das Einstecken des Ladekabels zum Aufladen des Akkus ist oft eine fummelige Angelegenheit. Micro-USB-Kabel müssen zum Beispiel richtig herum eingesteckt werden, ansonsten lädt das Handy nicht, und im schlimmsten Fall wird die Ladebuchse beschädigt.

Für Senioren ist daher eine Dockingstation, wie sie sie von schnurlosen Festnetz-Telefonen gewohnt sind, eine echte Erleichterung. Viele Hersteller liefern diese direkt mit. Wird das Telefon nicht benötigt, etwa nachts, lädt es der Nutzer durch Hineinstellen komfortabel auf. Tipp: Das Aufstellen der Ladestation an einem zentral sichtbaren Ort in der Wohnung erleichtert das Erinnern an den Ladevorgang.

Notrufknopf

älterer Herr telefoniert

Eine sinnvolle Funktion in einem Handy für Senioren ist ein Notrufknopf Im Bedarfsfall drückt der Nutzer diesen in einer bestimmten Weise – je nach Modell etwa für drei Sekunden oder dreimal hintereinander – und es wird eine SMS-Nachricht an vordefinierte Kontakte, etwa nahe Verwandte, verschickt. Viele Hersteller kombinieren dieses Feature mit einer Not-Anruf-Funktion: Nachdem die Notruf-SMS versandt wurde, werden vordefinierte Kontakte nacheinander angerufen, und zwar so lange, bis jemand abnimmt. Im Idealfall schaltet sich die Freisprechfunktion automatisch ein, damit geschwächte Personen um Hilfe bitten können, ohne das Handy an das Ohr halten zu müssen.

Sturzerkennung

Einige Modelle verfügen über eine Sturzerkennung. Fällt der Besitzer, wird die Notruf-Funktion automatisch aktiviert. Stürze können verschiedenste Gründe haben: Gebrechlichkeit, ein epileptischer Anfall oder ein Schlaganfall. In manchen Fällen ist eine solche Funktion die einzige Chance auf schnelle Hilfe.

GPS-Ortung

Manche Seniorenhandys senden in den Notruf-Nachrichten eine GPS-Ortung mit. In ihrem Fall gibt es normalerweise auch die Möglichkeit, jederzeit den genauen Standort des Handys – falls eigeschaltet – zu bestimmen. Häufig bieten solche Modelle auch die Einstellungsoption, eine SMS automatisch zu verschicken, wenn das Telefon einen bestimmten Bereich verlässt („Geofencing“). Derlei Funktionen eignen sich sehr gut für demente Menschen, die sich verlaufen könnten. Bei mündigen Personen erfordert ihre Nutzung eine ausdrückliche Einverständniserklärung.

Zusammenfassung der wichtigsten Funktionen

Bei der Auswahl eines Seniorenhandys sollten Interessenten auf Folgendes achten:

  • Große, rutschfeste Tasten
  • Großes, gut lesbares Display
  • Verstärkung von hohen Tönen
  • Bei Nutzung analoger Hörgeräte: HAC-Logo
  • Einfache Bedienbarkeit, zum Beispiel durch leicht verständliche und gut erkennbare Symbole
  • Möglichst hohe Akkulaufzeit
  • Docking-Station zum Laden
  • Notruffunktion