Spiegelreflexkamera-Kaufberatung: So wählen Sie das richtige Produkt

  • Das Wichtigste in Kürze
  • Spiegelreflexkameras bieten eine bessere Bildqualität als Kompaktkameras und andere Kameratypen.
  • Während Profis meist DSLRs mit Vollformat-Sensoren verwenden, sind Fotoliebhaber mit günstigeren und handlicheren APS-C- oder MFT-Kameras gut bedient.
  • Das Objektiv ist das wichtigste Ausstattungselement; es ist grundlegend für die Qualität der Fotos verantwortlich.
  • Mit der Entscheidung für eine Spiegelreflexkamera entscheidet man sich gleichzeitig für das Objektiv- und Zubehörsystem des Herstellers.
  • Gute Einstiegsmodelle sind bereits für weniger als 400 Euro erhältlich.

Was zeichnet eine Spiegelreflexkamera aus?

Fotos halten emotionale Momente fest. Sie konservieren Erinnerungen und spiegeln sowohl persönlich bedeutsame als auch zeitgeschichtlich relevante Ereignisse und Situationen wider. In Fotos lebt Vergangenes weiter. Wichtig dabei ist, dass die Fotografien von bester Qualität sind. Die Bilder sollen scharf und kontrastreich wirken. Gefragt sind kräftig leuchtende Farben und ein plastischer Ausdruck für ein Plus an Natürlichkeit.

Mit kleinen Kompaktkameras und Smartphones können Freizeitfotografen zwar zufriedenstellende Aufnahmen machen, möchten sie aber das Optimum an Bildqualität erzielen und wirklich hochwertige Fotos schießen, benötigen sie eine digitale Spiegelreflexkamera.

Spiegelreflexkamera liegt auf einem Fotobuch, daneben ein Objektiv und ein Objektivdeckel. Im Hintergrund eine Aloe-Vera-Pflanze.
Mit einer Spiegelreflexkamera hat der Fotograf viel mehr Einfluss auf das Foto als mit einem Smartphone oder einer Kompaktkamera.

Fotoerlebnisse mit Klick-Effekt

Bei einer Spiegelreflexkamera – häufig mit DSLR (digital single-lens reflex) oder SR-Kamera abgekürzt – befindet sich ein wegklappbarer Spiegel zwischen Bildebene und Objektiv. Im ruhenden Zustand lenkt der Spiegel die Lichtstrahlen zum Prismensucher um, durch den der Fotograf das Bild betrachtet. Betätigt er den Auslöser, klappt der Spiegel hoch und das Licht fällt auf den Sensor. Das Hochklappen des Spiegels erzeugt das typische, relativ laute Auslösegeräusch, das Klicken von Spiegelreflexkameras.

Moderne DSLRs funktionieren im Prinzip genauso wie alte analoge Spiegelreflexkameras, nur dass bei diesen ein Film statt des Sensors belichtet wurde. Im Analogbereich gibt es zusätzlich zu den beschriebenen einäugigen Spiegelreflexkameras auch zweiäugige Spiegelreflexkameras, die jeweils ein eigenes Objektiv für den Sucher und die Belichtung – also insgesamt zwei Objektive – haben. Solche Geräte sind heute aber nur noch gebraucht erhältlich. Moderne digitale Spiegelreflexkameras sind immer einäugig.

Mehr Möglichkeiten als mit Smartphones und Kompaktkameras

Eine Spiegelreflexkamera lässt Nutzern die Wahl, ob sie die Belichtungseinstellungen manuell vornehmen oder sich lieber auf die integrierte Programmautomatik verlassen. Bei der manuellen Einstellung bestimmt der Fotograf Blende, Belichtungszeit und ISO-Wert selbst. Fotografiert er hingegen mit Programmautomatik, wählt er nur die Aufnahmesituation, beispielsweise Portrait, Nachtaufnahme oder Sportfoto. Die Kamera kümmert sich um den Rest.

Blick auf eine Spiegelreflexkamera von hinten rechts. Diverse Buttons und Drehknöpfe sind deutlich zu erkennen.
Die vielen Knöpfe machen klar: Wer will, kann alle Bildeinstellungen manuell vornehmen.

Auch beim Scharfstellen haben Fotografen mit einer DSLR die Wahl: Sie können sich entweder auf die Autofokus-Funktion ihrer Kamera verlassen oder manuell scharfstellen. Dank unzähliger Fokusfelder und raffinierter KI-Funktionen wie dem automatischen Fokussieren auf die Augen funktioniert der Autofokus moderner Spiegelreflexkameras sehr gut und macht das manuelle Fokussieren in vielen Fällen überflüssig.

Um zusätzlich Einfluss auf die Bildqualität zu nehmen und die generellen Einsatzmöglichkeiten zu erhöhen, können Nutzer die Objektive wechseln. Meistens ist ein Zoomobjektiv von eher mäßiger Abbildungsqualität und Lichtstärke im Lieferumfang enthalten, das sogenannte Kit-Objektiv. Sofern es Ihr Geldbeutel erlaubt, kann es sich durchaus lohnen, Ihre Objektivsammlung zu erweitern. Sie könnten sich zum Beispiel ein schärferes Zoomobjektiv zulegen oder mit einer lichtstarken Festbrennweite Ihre fotografischen Möglichkeiten erweitern.

Die einäugige Spiegelreflexkamera

Einäugige Spiegelreflexkameras sind heute der Normalfall, andere Spiegelreflexkameras werden so gut wie nicht mehr produziert. Sie verfügen über einen Rückschwingspiegel sowie ein Dachkantpentaprisma. Die konstruktive Besonderheit der einäugigen Spiegelreflexkamera liegt in der speziellen Lichtführung des Suchers: Das vom jeweiligen Motiv reflektierte Licht wird über den beweglichen Rückschwingspiegel gezielt durch das integrierte Objektiv auf das Prisma geleitet; auf diese Weise kann der Fotograf das Motiv durch den Sucher betrachten.

Detailaufnahme des Suchers einer Spiegelreflexkamera
Die Besonderheit von einäugigen Spiegelreflexkameras ist ihr Sucher, der einen direkten Blick durch das Objektiv auf das Motiv ermöglicht.

Der Clou dabei: Das Bild im Sucher entspricht dem tatsächlichen Bild. Nutzer sehen also das Bild, wie es später durch das jeweils genutzte Objektiv inklusive verwendeter Filter auf den Sensor projiziert wird. Zudem lassen sich sämtliche Messungen für Belichtung, Fokus und Blitz über den Spiegel respektive durch das Objektiv durchführen. Dieser Vorgang wird auch als TTL (through the lens“) bezeichnet.

Die Vorteile von einäugigen Spiegelreflexkameras:

  • Das Objektiv kann gewechselt werden.
  • Kameras dieser Art gewährleisten eine große Funktionsvielfalt.
  • Da der Fotograf mit dem Sucher direkt durch das Aufnahmeobjektiv blickt, kommt es nicht zu Parallaxenfehlern; das Sucherbild ist also nicht verschoben.

Diesen Vorteilen stehen drei wesentliche Nachteile gegenüber:

  • Die Kamera neigt zu Vibrationen, wenn der Schwingspiegel hochklappt. Das führt unter Umständen zu Problemen bei Langzeitbelichtungen.
  • Für die Dauer der Belichtung verdunkelt der Spiegel das Sucherbild.
  • Die Spiegelmechanik benötigt relativ viel Platz, daher sind Spiegelreflexkameras größer als spiegellose Systemkameras.

Digitale Spiegelreflexkamera: Integrierte Displays und Histogramme

Im Hinblick auf den mechanischen Aufbau gibt es zwischen analogen und digitalen Spiegelreflexkameras kaum Unterschiede. Während bei analogen Geräten Filme zum Einsatz kommen, arbeiten digitale Modelle allerdings mit einem integrierten Bildsensor. Moderne Spiegelreflexkameras sind in der Regel digitale, einäugige Spiegelreflexkameras. Analoge und zweiäugige Spiegelreflexkameras sind bis auf wenige Nischenprodukte, etwa die Toy-Kameras von Lomo, nur noch auf dem Gebrauchtmarkt erhältlich.

Spiegelreflexkamera von Hinten. Auf dem Display sin diverse Einstellungswerte zu sehen.
Das Display von digitalen Spiegelreflexkameras ermöglicht es nicht nur, die Aufnahmen sofort zu bestaunen, sondern zeigt auch alle relevanten Kameraeinstellungen.

Digitale Spiegelreflexkameras weisen einen wesentlichen Vorteil auf: Die Bilder sind direkt nach der Aufnahme verfügbar und können auf dem integrierten Display der Kamera betrachtet werden. Fehlerhafte Aufnahmen werden sofort erkannt und können wiederholt werden. Bei analogen Geräten müssen Fotografen hingegen eine Menge Zeit und Geld in die Entwicklung des Films investieren.

Bei einem Großteil der digitalen Spiegelreflexkameras steht Nutzern zudem ein Histogramm zur Verfügung, das die Verteilung der Helligkeit darstellt. Dieses Diagramm erleichtert es Ihnen, eine Unter- oder Überbelichtung zu erkennen. Einige Kameras haben zusätzliche Hilfen, wie zum Beispiel Unterbelichtungswarnungen, die fehlbelichtete Bildbereiche blinkend hervorheben.

Individuelle Zusammenstellung: Herstellerübergreifende Systeme

Die Hersteller bieten neben den digitalen Spiegelreflexkameras auch eigene Zubehör- und Objektivsysteme an. Möchte ein Fotograf sich allerdings selbst ein System zusammenstellen, das Komponenten von verschiedenen Herstellern berücksichtigt, ist dies nicht immer reibungslos möglich. Nur Olympus und Panasonic nutzen mit Micro Four Thirds (MFT) ein herstellerübergreifendes Objektivsystem. Alle anderen Objektive sind in der Regel nur für die Kameras desselben Herstellers gedacht. Der Verbraucher muss auf Adapterringe zurückgreifen, um die Bajonettverschlüsse anderer Kamerahersteller zu verwenden. Allerdings geht er dabei das Risiko ein, dass er zum Beispiel verschiedene Automatikfunktionen nur teilweise oder auch gar nicht nutzen kann.

Daten und Fakten zu Spiegelreflexkameras

  • Im Jahr 1861 konstruierte der englische Kaufmann und Staatsbeamte Thomas Sutton die erste Spiegelreflexkamera.
  • Die erste in Deutschland gefertigte Spiegelreflexkamera entstammt dem in Dresden ansässigen Werk von Richard Hüttig. Sie trug den bezeichnenden Namen Zeus-Spiegel-Kamera.
  • Alle modernen DSLRs können auch Videos aufnehmen, teilweise sogar in beachtlicher Qualität.

Auf diese Merkmale sollten Sie bei Ihrer Kaufentscheidung achten

Mit einem Spiegelreflexmodell erhalten Verbraucher grundsätzlich eine größere Kamera, die sie nicht so einfach in der Jackentasche verstauen können. Die Größe ist aber auch ein Vorteil, denn dank großer und ergonomisch vorteilhafter Griffe liegen Spiegelreflexkameras gut in der Hand und bieten zudem ausreichend Platz für große Displays sowie Einstellräder und Funktionstasten. Durch die übersichtliche und anwenderfreundliche Anordnung können Nutzer die jeweiligen Kameraeinstellungen schnell situationsbedingt und bedarfsgerecht anpassen, sofern sie nicht den Vollautomatikmodus ihrer Kamera nutzen.

Unterschiedliche Sensorgrößen

Bei einer Spiegelreflexkamera im unteren bis mittleren Preisbereich kommt vorzugsweise ein APS-C-Sensor zum Einsatz. Je nach Hersteller kann die Sensorgröße hier leicht variieren. So können sich Verbraucher zum Beispiel für eine Größe von 14,9 mal 22,3 Millimetern oder 5,6 mal 23,5 Millimetern entscheiden. Die Spitzenmodelle der Hersteller arbeiten in der Regel mit Vollformatsensoren, die wie analoge Kleinbildnegative 24 mal 36 Millimeter messen.

Im Vergleich zu den in Spiegelreflexkameras eingebauten Sensoren sind die Chips in der Kompaktklasse weitaus kleiner. So stehen zum Beispiel in Ultra-Kompaktkameras lediglich Chips mit einer Größe von 3,96 mal 5,27 Millimetern zur Verfügung. Die Geräte der Mittelklasse belichten eine Fläche von immerhin rund 5,27 mal 7,18 Millimetern, während Nutzer größere Kompaktkameras mit einer Sensorfläche von 6,6 mal 8,8 Millimetern arbeiten können.

Die Bildqualität hängt auch vom Sensor ab

Diese Größenunterschiede spiegeln sich grundsätzlich in der Bildqualität wieder, denn die größeren Sensoren sammeln deutlich mehr Licht ein, was für eine bessere Bildqualität sorgt. Selbst bei Schummerlicht und hohen Empfindlichkeiten, die für Fotos bei wenig Licht verwendet werden, kommt es nur zu wenig Bildrauschen. Im Allgemeinen gilt hier die Faustregel: Je größer die Sensoren sind, desto lichtempfindlicher und rauschärmer sind sie.

Zudem bietet ein großer Sensor einen ganz speziellen Nebeneffekt: Die Schärfentiefe bei offener Blende fällt bei größeren Sensoren nämlich vergleichsweise gering aus. Dieser Umstand sorgt für viel Unschärfe im Hintergrund. Fotografen sprechen vom Bokeh. Dieser Effekt wird gern bei Porträts verwendet, um das Motiv optisch vom Hintergrund zu trennen.

Kartonverpackung einer Kamera auf einem Fensterbrett, verschwommene Zimmerpflanzen im Hintergrund
Der Bokeh-Effekt: Die Unschärfe sorgt dafür, dass sich die Kameraverpackung im Vordergrund deutlich vom Hintergrund abhebt.

Als Käufer einer Spiegelreflexkamera sollten Sie die Sensoren und die damit zusammenhängenden technischen Details genau unter die Lupe nehmen. Das ist gerade für Laien oder Einsteiger in die Materie ein durchaus schweres Unterfangen. Nachvollziehbare Größenangaben suchen sie bei den jeweiligen Kameramodellen häufig vergebens. Das liegt daran, dass die Hersteller nicht die tatsächlichen Sensorgrößen in Millimetern, sondern Abkürzungen verwenden. Damit Sie den Durchblick beim Kauf einer Spiegelreflexkamera behalten, haben wir die gängigsten Typenaufgelistet:

Vollformat: Kameras mit einem großen Vollformatsensor stellen die Königsklasse unter den DSLRs da. Der Sensor hat eine Größe von 36 mal 24 Millimetern. Einen Crop-Faktor gibt es nicht, da die Sensorgröße exakt der Größe eines Kleinbildnegativs entspricht.

APS-C: Dieser Sensor ist bei Spiegelreflexkameras sehr häufig zu finden. Er hat eine Größe von 23,6 mal 15,6 Millimetern und einen Crop-Faktor von 1,5.

APS-C-Canon: Der Hersteller Canon verwendet etwas kleinere APS-C-Sensoren. Sie haben eine Größe von 22,2 mal 14,8 Millimetern und einen Crop-Faktor von 1,6.

Micro Four Thirds (MFT): Diese Sensorgröße und das dazu passende Objektivsystem entsprechen einer herstellerübergreifenden Norm. Die einzigen nennenswerten Hersteller, die auf MFT setzen, sind aktuell allerdings Olympus und Panasonic. Mit 17,3 mal 13,0 Millimetern sind MFT-Sensoren sehr klein und ermöglichen damit besonders kompakte Kameras und Objektive. Der Crop-Faktor beträgt 2,0.

Die Auflösung allein macht keine guten Fotos

Viele Hobby-Fotografen beurteilen die Qualität einer Kamera immer noch anhand ihrer Auflösung. Das ist aber längst nicht mehr der richtige Ansatz. Alle modernen Spiegelreflexkameras haben eine ausreichende Auflösung. Auch günstige DSLRs warten heute bereits mit mehr als 20 Megapixel auf – das reicht selbst für Abzüge in Postergröße. Zur Beurteilung der Bildqualität sind andere Kriterien wichtiger. Nur wenn sämtliche Bauteile, inklusive der jeweiligen Objektive, eine hohe Qualität aufweisen, können Sie davon ausgehen, dass die Kamera sehr gute Bilder erzeugt.

Objektive: So wichtig wie die Kamera selbst

Ein wichtiger Vorteil von digitalen Spiegelreflexkameras ist die Möglichkeit, Objektive zu wechseln. Für Nutzer bedeutet dies ein hohes Maß an Individualität und Flexibilität, denn sie können für jede Situation die passende Linse einsetzen. Oder Sie wählen schon von vornherein ein Objektiv, das sich quasi universal verwenden lässt und für verschiedene Gelegenheiten die richtige Wahl darstellt.

Eine Spiegelreflexkamera mit abgenommenem Objektiv auf einer hölzernen Tischplatte.
Eine Spiegelreflexkamera mit abgenommenem Objektiv; im Inneren der Kamera ist der Spiegel deutlich zu sehen.
Universelle Normalbrennweiten

Der Blickwinkel von Objektiven mit Normalbrennweite entspricht ungefähr demjenigen des menschlichen Auges. Das führt zu einer sehr natürlichen, unmittelbaren Bildwirkung. Normalbrennweiten sind darüber hinaus einfach zu konstruieren, was sie relativ günstig macht. Lassen Sie sich aber nicht vom niedrigen Preis täuschen: Normalbrennweiten sind erstklassige Objektive, die vielen verschiedenen Aufnahmesituationen gerecht werden. Einige berühmte Fotografen, allen voran Henri Cartier-Bresson, nutzten fast ausschließlich solche Objektive.

Weitwinkelobjektive bringen viel aufs Bild

Ein Weitwinkelobjektiv macht den gesamten Bildausschnitt breiter. Dadurch passt mehr Inhalt auf das Bild. Das bringt Nutzern einen echten Vorteil beim Fotografieren, da es mit einem speziellen Weitwinkelobjektiv möglich ist, zum Beispiel die gesamte Familie oder etwa bei einer Hochzeit ein komplettes Kirchenschiff auf lediglich einem Foto abzulichten.

Teleobjektive bringen Motive näher

Neben einem Weitwinkelobjektiv benötigen Fotografen in der Regel auch immer ein Teleobjektiv. Mit einem Objektiv dieser Art können Motive vergrößert werden. So überbrücken Teleobjektive große Entfernungen. Wichtig dabei ist, dass Teleobjektive über eine erstklassige Lichtstärke verfügen.

Makroobjektive für die Welt der kleinen Dinge

Wenn Fotografen ein Bild aus unmittelbarer Nähe machen, benutzen sie ein Makroobjektiv. Dies ermöglicht es ihnen, Fotos mit nur wenigen Zentimetern Abstand zu realisieren. Sie können im Nahbereich scharfstellen, was mit normalen Objektiven nicht gelingt.

Weitere wesentliche Kaufkriterien im Überblick

Abgesehen vom Sensor und Objektiv gibt es noch viele weitere wichtige Aspekte, die sie beim Kauf einer digitalen Spiegelreflexkamera berücksichtigen sollten. Unter anderem sind das Rauschverhalten bei hohen ISO-Werten und die Bildstabilisation entscheidend. Aber auch das subjektive Empfinden sollte nicht zu kurz kommen: Wie liegt die Kamera in der Hand? Kommen Sie mit der Menüführung zurecht? Gefallen Ihnen die Fotos, die sie erzeugt? Im Idealfall haben Sie die Möglichkeit, die Kamera vor dem Kauf auszuprobieren – beispielsweise bei einem Freund, der dieses Modell bereits besitzt.

ISO-Werte

ISO-Werte

Moderne Spiegelreflexkameras erreichen sehr hohe ISO-Werte und machen damit auch Aufnahmen bei schlechtem Licht möglich. Während früher bei 1.600 oder maximal 3.200 Schluss war, kommen heute selbst Einsteigerkameras wie die Canon EOS 2000D auf ISO 6.400. Profikameras wie die Canon EOS 6D Mark II schaffen sogar ISO 40.000. Insbesondere im hohen ISO-Bereich gilt es, auf Qualität zu achten, denn dort neigen einige Spiegelreflexkameras zu Bildrauschen. Das Bild wirkt dann grob und krisselig.

JPEG-Qualität

Speicher

Profis speichern ihre Fotos normalerweise als RAW-Dateien. Diese Dateien enthalten die unverarbeiteten Bildinformationen. Sie bieten den größten Spielraum bei der Nachbearbeitung. RAWs haben allerdings zwei Nachteile: Sie benötigen viel Speicherplatz und sind ohne die Nachbearbeitung in einem Programm wie Adobe Lightroom eher unansehnlich. Im Alltag ist daher das komprimierte JPEG-Format oft die bessere Wahl. Dabei nimmt die Kamera schon viele Bildoptimierungen automatisch vor. Die JPEG-Ausgabe unterscheidet sich allerdings von Hersteller zu Hersteller. Fujifilm wird beispielsweise eine besonders gute JPEG-Qualität nachgesagt.

Speichertyp

Speichertyp

Fast alle aktuellen Spiegelreflexkameras verwenden SD-Karten als Speichermedium. Selbst die meisten Kameras von Sony unterstützten heute nicht nur das hauseigene Speicherkarten-Format Memory Stick, sondern auch SD-Karten. Die CompactFlash-Karte (CF) hat hingegen an Bedeutung verloren. Sie kommt nur noch bei einigen sehr teuren Profi-Kameras zum Einsatz. SD-Karten sind klein, schnell und bieten viel Speicherplatz für wenig Geld. Für rund 30 Euro bekommen Sie eine SD-Karte mit einer Speicherkapazität von 128 Gigabyte.

Bildstabilisation

Stabilisatoren

Stabilisatoren beugen einem Verwackeln beim Fotografieren vor. Sie erhöhen damit die maximal mögliche Belichtungszeit beim Knipsen aus freier Hand. Man unterscheidet zwischen Stabilisatoren im Objektiv und Stabilisatoren im Kameragehäuse. Welches System zum Einsatz kommt, hängt vom Hersteller ab. Nikon beispielsweise setzt auf Stabilisatoren in der Kamera, während Canon die Stabilisatoren in den Objektiven verbaut. Linsenstabilisatoren im Objektiv sind wirkungsvoller als Sensorstabilisatoren im Kamera-Body, machen aber die Objektive teurer.

Tipps zu Pflege und Transport

Die filigrane Elektronik einer Kamera reagiert besonders empfindlich auf Staub und Sand. Auch Reste von Salz können sich beispielsweise nach einem Urlaub am Meer auf der Kamera absetzen und die Oberfläche angreifen. Daher sollten Nutzer das Gehäuse stets sorgfältig mit einem staub- und fusselfreien, minimal angefeuchteten Lappen reinigen. Reinigungsmittel sind hier allerdings tabu. Verschmutzte Objektiv-Oberflächen können vorsichtig mit einem Glas-Reinigungstuch aus dem Foto-Fachhandel oder vom Optiker gesäubert werden.

Auch durch das Wechseln der Objektive kann Schmutz in das Gehäuse der Kamera eindringen. Dabei kann es passieren, dass der Schmutz oder Staub auf dem Sensor kleben bleibt. Dann sind auf den Bildern später kleine dunkle Flecken sichtbar. Selbst bei modernsten Kameras kann die automatische Sensorreinigungsfunktion oftmals nicht alle Spuren beseitigen. Entweder schicken Nutzer die Kamera zum Hersteller oder aber sie reinigen sie selbst, etwa mit speziellen Pinseln oder Reinigungsstäbchen. Ganz wichtig: Nutzer sollten sich bei Reinigungsaktion immer an die Herstellerhinweise halten. Eine falsch durchgeführte Reinigung des Sensors kann diesen schwer beschädigen.

Ladegerät, Akku, Ladegerätkabel, Spiegelreflexkamera ohne Objektiv und Kameragurt
Eine nagelneue Spiegelreflexkamera samt samt mitgeliefertem Zubehör. Wenn es sorgsam behandelt wird, kann das Gerät seinem Besitzer lange Freude bereiten.

Objektive sind regelmäßig und vor allem direkt nach dem Einsatz äußerst gründlich zu reinigen. Glasoberflächen sollten Nutzer allerdings nur putzen, wenn sie wirklich sichtbar verschmutzt sind. Staub können sie mit einem weichen Pinsel entfernen, für festsitzende Verunreinigungen wie beispielsweise Fingerabdrücke hat sich ein Mikrofasertuch bewährt. Sollten Objektive sich nicht im Einsatz befinden, ist es empfehlenswert, die Deckel aufzusetzen. Auch eine Streulichtblende bietet einen gewissen Schutz des Objektivs vor Beschädigungen. Für die Objektiv-Öffnung Ihrer Kamera gilt: Ist kein Objektiv an der Kamera angebracht, sollte sie immer mit einer Abdeckung verschlossen sein.

Der Transport von Kamera und Zubehör erfolgt am besten in einer gepolsterten Kameratasche. Sie sollte viele Fächer für die verschiedenen Zubehörteile haben und groß genug sein, um neben der Spiegelreflexkamera auch andere Komponenten aufnehmen zu können. Ebenso haben sich Fotorucksäcke bewährt – das Gewicht der Kameraausrüstung lässt sich damit leichter tragen als mit einer Schultertasche, allerdings ist der Zugriff darauf im Vergleich zu einer seitlich getragenen Tasche etwas erschwert.

Weiterführende Testberichte

Achtung: Hierbei handelt es sich um einen Vergleich. Wir haben die Spiegelreflexkameras nicht selbst getestet.

Das Magazin COMPUTER BILD testet in regelmäßigen Abständen Spiegelreflexkameras. Im Jahr 2019 unterzogen die Redakteure 20 Modelle einem Test. Zwölf Modelle stammen von Canon, neun von Nikon und zwei von Pentax. Das Testfeld umfasst also nur wenige Hersteller und diese Tatsache resultiert in einem Zweikampf zwischen Canon und Nikon, da Pentax bestplatzierte Kamera auf Platz sieben liegt. Testsieger ist die Nikon D500 mit der Testnote 1,9. Eine sehr gute Bildqualität, schnelle Video- und Bildverarbeitung, umfangreiche Ausstattung und die automatische Bildübertragung per Bluetooth haben zum Testsieg geführt. Die Plätze zwei und drei im Test belegen ebenfalls Kameras aus dem Hause Nikon. Die D850 (Note 1,9) und die D5 (Note 1,9) haben eine ähnlich hohe Bildqualität und ausführliche Ausstattung wie die D500. Sie sind jedoch vergleichsweise teuer. Die D5 ist darüber hinaus sperrig und schwer. Auch die Schlusslichter im Test sind von Nikon. Die D3400 (Note 2,5) und die D3500 (Note 2,5) punkten mit hoher Bildqualität und einfacher Bedienung. Allerdings besitzt die D3400 keine WLAN-Funktion und die D3500 arbeitet bei Serienaufnahmen langsam. Darüber hinaus haben beide keine 4K-Auflösung für Videos.

Auch das fotoMAGAZIN testete 2019 insgesamt 32 Spiegelreflexkameras. Die Tester bewerteten die Geräte in den Kategorien „Bildqualität“, „Geschwindigkeit“ sowie „Ausstattung und Bedienung“. Hierbei erhielten 23 Geräte das Testurteil „sehr gut“. Allen voran konnten die Sony Alpha99 II (ILCA-99M2) und die Nikon D850 den Testsieg erringen. Mit einer Wertung von jeweils 88 Prozent teilen sie sich den ersten Platz im Test. Auch die Modelle EOS-1D X Mark II und EOS 5D Mark IV von Canon lieferten mit jeweils 87 Prozent durchweg positive Ergebnisse. Die beiden letzten Plätze gingen im Test ebenfalls an das japanische Unternehmen Canon: Die EOS 2000D (73 Prozent) und die EOS 4000D (69 Prozent) beurteilten die Tester aufgrund ihrer geringen Geschwindigkeit lediglich als „befriedigend“.

Andreas Kiener

Andreas Kiener

24.11.2020